Aggressive Telekom - DER SPIEGEL
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INTERNET Aggressive Telekom

• aus DER SPIEGEL 8/1999
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Die Deutsche Telekom will mit hohen Investitionen ihr Multimedia-Geschäft ausbauen - und provoziert dabei Rechtsstreit mit Konkurrenten. Laut einem internen Konzept will der Konzern die Zukunftstechnik ADSL aggressiv vermarkten: Damit werden normale Telefonleitungen über Zusatzgeräte beim Kunden und bei der nächsten Vermittlungsstelle zu leistungsstarken Infobahnen, die prompten Datentransport im Internet und den Abruf von Spielfilmen ermöglichen. Nach der Markteinführung können in diesem Jahr vom 1. Juli an 80 000 ADSL-Anschlüsse verkauft werden. Mit ADSL, das bis zu 70mal schneller arbeitet als der Digitaldienst ISDN, werden vor allem Intensivnutzer umworben. Sie müssen, laut Planung, zunächst für 25 Stunden im Monat 250 Mark zahlen, jede weitere Stunde kostet 8 Mark. Die Hochpreispolitik diene »zur Nachfragesteuerung«, heißt es in einem internen Papier; vor allem die Konzerntochter T-Online könne über »Fast Internet« als »alleiniger Vermarktungskanal« mittelfristig gefördert werden. Parallel bringt die Telekom T-Online von April an mit einem Tiefpreis von sechs Pfennig pro Minute, inklusive Telefongebühren. Dagegen macht der weltgrößte Online-Dienst AOL mobil. Bei der EU-Kommission hat AOL jetzt Beschwerde eingelegt wegen des Verdachts auf Mißbrauch einer marktbeherrschenden Stellung; die EU hat bereits die Untersuchung begonnen. AOL spricht von »ruinöser Preisgestaltung«, die nur durch Quersubventionierungen erklärbar sei. Zudem moniert AOL eine Reihe konzerninterner Deals, etwa daß die Telekom beim Verkauf von ISDN-Anschlüssen exklusiv ihren Online-Dienst bewirbt. T-Online mache im Monat, berechnet zu Marktpreisen, 19 Millionen Mark minus: »Der praktizierte Mißbrauch setzt die Fähigkeit von AOL aufs Spiel, einen Internet-Zugang sowie verwandte Dienste anzubieten.« Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater bestreitet die Vorwürfe. Jeder habe die gleichen Chancen, auch beim Nutzen von Telekom-Diensten: »Wir können der EU leicht unsere Kosten offenlegen.« Es dürfe aber niemand erwarten, daß die Telekom »AOL den roten Teppich auslegt«.

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