Aids-Risiko: Bayer droht neuer Medikamenten-Skandal - DER SPIEGEL
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Aids-Risiko Bayer droht neuer Medikamenten-Skandal

Wie die "New York Times" berichtet, soll eine Bayer-Tochterfirma in den achtziger Jahren in Asien und Lateinamerika ein Medikament verkauft haben, das ein hohes Aids-Ansteckungs-Risiko in sich barg. Gleichzeitig soll in Europa und den USA bereits eine neue und sichere Version vertrieben worden sein. Der Bayer-Konzern weist die Vorwürfe zurück.
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New York/Leverkusen - Im Februar 1984 brachte die Bayer-Tochter Cutter Biological laut "New York Times" ihre neue Version eines Blutgerinnungsmittels auf den Markt. Wie die Zeitung berichtet, soll in dem alten Präparat, genannt "Factor VIII Konzentrat" ein hohes Risiko zur Übertragung von Aids gelegen haben. Dennoch wurde das alte und unsichere Mittel noch ein Jahr lang in Ländern wie Japan, Hong Kong, Argentinien und Taiwan verkauft.

Die Zeitung beruft sich hierbei auf interne Memoranden und Mitschriften. Demnach haben Führungskräfte von Cutter Biological die Medikamente trotz des bereits bekannten Aids-Risikos weiterverkauft, um nicht auf den Lagerbeständen sitzen zu bleiben. So habe Cutter beispielsweise ein Vertriebsunternehmen in Hong Kong angewiesen, anstelle des sicheren Medikaments die Bestände des alten Mittels auszuliefern. Insgesamt sollen mehr als 100.000 Ampullen des alten Medikaments im Wert von 4 Millionen Dollar verkauft worden sein.

Bayer hat die Vorwürfe der "New York Times" zurückgewiesen. "Die Entscheidungen, die vor fast zwei Jahrzehnten getroffen wurden, basierten zu dem Zeitpunkt auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Informationen und stimmten mit den geltenden Auflagen überein", erklärte ein Bayer-Sprecher. Nachdem damals festgestellt worden war, dass das HIV-Virus durch diese Blutmedikamente übertragen werden konnte, wurde ein neues Verfahren entwickelt, bei dem das Virus durch Erhitzung abgetötet wurde. Allerdings habe bei Wissenschaftlern, Ärzten und Patienten zunächst die Skepsis bestanden, ob das Medikament nach der Wärmebehandlung noch wirksam sei. "Als diese Sorge ausgeräumt war und die US-Behörden dem Vertrieb zustimmten, wandte Cutter dass neue Verfahren an", erklärt der Bayer-Sprecher weiter. Bis zu diesem Zeitpunkt habe die Produktion der unbehandelten Medikamente nicht eingestellt werden können, da die Präparate für die Patienten lebenswichtig waren. Ihre Herstellung sei im August 1984 beendet worden, ab Juni 1985 habe Cutter nur noch wärmebehandelte Präparate vertrieben.

Gunnar Riemann, Präsident der Bayer-Blutproduktsparte, erklärte: "Es ist unglücklich, dass die jüngsten Nachrichten diese fast zwanzig Jahre alte Tragödie wieder aufgerollt haben." Die beginnende Aids-Epidemie hatte in den achtziger Jahren die Blutgerinnungsmittel für Blutkranke zu einem großen Risiko gemacht. Wie die "New York Times" berichtet, seien in der Umstellungszeit in der Herstellungsweise der Blutgerinnungsmittel unzählige Blutkranke an Aids gestorben. Bayer habe, zusammen mit drei anderen betroffenen Pharma-Konzernen, mehr als 600 Millionen Dollar gezahlt, um mehr als ein Jahrzehnt Klagen in Zusammenhang mit dem Produkt beizulegen.

Genau in diesen alten Klageschriften will die "New York Times" nun auch die Einzelheiten über Cutter Biological gefunden haben. Das Asien- und Lateinamerika-Geschäft des Unternehmens sei damals nicht genauer untersucht worden. Bayer hingegen erklärt, Cutter habe zu jeder Zeit "verantwortungsvoll, ethisch und human" verhalten.