Air Berlin: Börsenpläne drohen zum Flop zu werden - DER SPIEGEL
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Air Berlin Börsenpläne drohen zum Flop zu werden

Eigentlich wollte Air Berlin heute mit großem Brimborium an die Börse – doch urplötzlich wurde der Start verschoben. Das Papier sei einfach nicht genug nachgefragt gewesen, heißt es am Aktienmarkt. Daran werde sich auch nächste Woche nichts ändern.
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Berlin/Frankfurt am Main - Erste Gerüchte, dass in der heißen Phase vor dem Tag X nicht alles nach Plan lief, waren schon gestern Nachmittag aufgetaucht. Analysten meldeten offen Zweifel an, dass die Höhe des angestrebten Aktienpreises gerechtfertigt sei. Am "Grauen Markt", wo die Titel außerbörslich gehandelt werden, waren die Aktien da zuvor teils schon unter die angesetzte Untergrenze von 15 Euro gefallen.

Am Abend erklärte die Fluggesellschaft schließlich tatsächlich: Der Börsengang wird auf nächste Woche verschoben. Das Orderbuch sei wegen des überhöhten Preises schlicht nicht voll geworden, erklärten informierte Kreise.

Vor allem die Investoren aus dem Ausland hätten sich zurückgehalten, erklärten zwei mit der Materie vertraute Personen der Nachrichtenagentur Dow Jones. Institutionelle Adressen in Deutschland hätten dagegen große Zeichnungsaufträge abgegeben. Eine so große Transaktion könne aber ohne Beteiligung gerade der wichtigen britischen Adressen nicht durchgeführt werden.

Wahrscheinlich werde Air Berlin die Preisspanne von 15 bis 17,50 senken, eine Entscheidung soll jedoch erst heute bei einem Treffen der Air-Berlin-Vertreter mit den betreuenden Banken fallen. "Wegen der überdurchschnittlichen Risiken für Air Berlins Geschäft wäre eine Preisspanne von zehn bis zwölf Euro angemessen zitiert die "Financial Times Deutschland" den Metzler-Analysten Jürgen Pieper.

Doch auch nach einer Abwertung ständen die Chancen für Air Berlin schlecht, glaubt Frank Schallenberger, Marktstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Wenn die Leute das Unternehmen für 15 Euro nicht kaufen wollen, dürfte es auch schwierig sein, die Titel zu einem tieferen Preis unterzubringen", sagte er. Es habe sich gezeigt, dass die Zweifel an Air Berlin fundamentaler Natur seien und sich nicht nur um den Preis drehten.

Immerhin sei die Stimmung für Börsengänge allgemein gut. So sammelte beispielsweise der Börsenneuling Catoil 293 Millionen Euro ein, der Aktienkurs kletterte zwischenzeitlich um bis zu 37 Prozent über den Ausgabepreis von 15 Euro. Schallenberger zufolge stimmt bei Air Berlin aber das Timing nicht: "Die anderen Billigfluggesellschaften easyJet und Ryanair stehen seit längerem unter Druck." Da helfe eine Verschiebung um einige Tage bei den Berlinern auch nicht viel.

Anlegerschützer hatten sich schon vor einiger Zeit kritisch geäußert. Die Werbung mit Moderator Johannes B. Kerner suggeriere Privatanlegern zwar ein Investment mit wenig Risiko, das sei aber keineswegs der Fall, hieß es etwa bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Tatsächlich ist die Geschäftssituation angespannt: In den vergangenen zwei Jahren hat das Unternehmen rote Zahlen geschrieben. Vor allem der steigende Ölpreis und der starke Wettbewerb in der Branche setzen Air Berlin unter Druck.

Dabei hat Air Berlin an der Börse große Pläne: Nach Wacker Chemie wollte die Fluggesellschaft den bisher zweitgrößte Börsengang in diesem Jahr in Deutschland stemmen. So will die bisher in Privatbesitz stehende Nummer Zwei auf dem deutschen Linienflugmarkt frisches Kapital für den Konkurrenzkampf bekommen. Angepeilt wurde bisher ein Erlös von insgesamt bis zu 872 Millionen Euro. Davon sollen rund 350 Millionen Euro an das Unternehmen gehen. Das Geld soll vor allem zur Finanzierung neuer Flugzeuge verwendet werden. Der übrige Erlös soll an die bisherigen Anteilseigner gehen.

ase/dpa-AFX/ddp/Dow Jones/Reuters