Airbus A 350 soll auch ohne Subventionen starten
Paris - Um den Konflikt zwischen der EU und den USA nicht weiter zu verschärfen, will EADS vorerst auf die umstrittenen Subventionen für die Entwicklung des A350 verzichten. Der Luft- und Raumfahrtkonzern wolle daher morgen bekannt geben, dass es die erhofften rückzahlbaren Kredite der Airbus-Partnerländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien nicht abrufen wolle, berichtet das Fachblatt "Aéronautique Business". Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP soll der Startschuss für die Fertigung der neuen Flugzeuge morgen fallen.
"EADS und Airbus können die Maschine aus eigenen Mitteln finanzieren", hieß es in dem Bericht unter Berufung auf eine mit dem Fall vertraute Quelle. Ein EADS-Sprecher wollte die Informationen heute nicht kommentieren. Er verwies lediglich darauf, dass sein Konzern sich bereits bereit erklärt habe, "Flexibilität" an den Tag zu legen.
EADS käme mit den Kreditverzicht einer Erklärung der Partnerländer zuvor. Diese wollen vor dem geplanten offiziellen Start des Airbus-A350-Projekts keine Zusage zur Finanzierungsbeteiligung machen, wie die Nachrichtenagentur AP heute erfuhr.
Grund ist ein Streit zwischen Brüssel und Washington über Subventionen für Airbus auf der einen und Boeing auf der anderen Seite des Atlantiks. Sowohl die EU als auch die US-Regierung haben bei der Welthandelsorganisation (WTO) Beschwerde gegen die Unterstützung der Flugzeugbauer erhoben.
Einem Zeitungsbericht zufolge will Frankreich einen Kompromiss in dem transatlantischen Streit anbieten, um die Verhandlungen mit den USA voranzubringen. Die französische Regierung habe grundsätzlich der Vergabe beantragter Darlehen für die Entwicklung des A350 zugestimmt, berichtete die Zeitung "La Tribune" vorab aus ihrer Donnerstagausgabe. Frankreich werde die Gelder aber nicht sofort auszahlen. Damit solle Raum für weitere Verhandlungen mit den USA geschaffen werden.
"Wir wollen echte Verhandlungen zwischen Europa und den USA ... die Umsetzung dieser künftigen Hilfen wird nicht sofort vollzogen", zitierte die Zeitung Verkehrsminister Dominique Perben. Die Zeit zwischen der Zustimmung zu der Hilfe und der Auszahlung solle genutzt werden, um neue Verhandlungen aufzunehmen, sagte er. Im französischen Haushalt für das Jahr 2006 seien keine vorzeitigen Zahlungen enthalten.
Der Streit zwischen Europa und den USA um Hilfen für die Luftfahrtbranche liegt seit dem 6. Oktober 2004 vor der WTO. Bis heute haben die Handelskommissare von EU und USA, die im Duell Airbus gegen Boeing eine Art Stellvertreterkrieg führen, noch keine Einigung erzielt.
Die USA werfen Airbus vor, mit massiver Finanzhilfe der EU und ihrer Mitgliedstaaten die Entwicklung des A350 voranzutreiben. Die Entwicklungskosten sind mit 4,4 Milliarden Dollar veranschlagt, von denen 1,5 Milliarden von den vier Regierungen kommen sollen. Die Europäer ihrerseits werfen den USA vor, für den 787 Dreamliner allein fünf Milliarden Euro Subventionen gezahlt zu haben. Zudem wird Boeing nach Meinung der Europäer über milliardenschwere Rüstungsaufträge der US-Regierung unterstützt.
Der zweimotorige Langstreckenjet A350 soll rund 250 Passagiere transportieren und 2010 auf den Markt kommen. Er soll dem Dreamliner Konkurrenz machen, der zwei Jahre früher verfügbar sein soll. Boeing geht davon aus, dass allein in diesem Marktsegment in den nächsten 20 Jahren 25.000 neue Jets im Gesamtwert von rund zwei Billionen Dollar nachgefragt werden. Airbus-Chef Gustav Humbert zufolge hat Airbus seit dem Grundsatzbeschluss zur Entwicklung des A350 im vergangenen Dezember 130 Bestellabsichten gesammelt; bis Jahresende sollen es 200 sein.