Airbus A3XX: Steuermilliarden als Treibstoff - DER SPIEGEL
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Airbus A3XX Steuermilliarden als Treibstoff

Die Bundesregierung will die Entwicklung des Super-Airbus A3XX mit zwei Milliarden Mark unterstützen. Die Lufthansa erklärte unterdessen, sie habe vorerst kein Interesse am doppelstöckigen Riesenflieger.
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Berlin/München - Der EADS-Konzern hat sich für sein Großprojekt, den Airbus A3XX, nun auch die Hilfe der Bundesregierung gesichert. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) teilte am Mittwoch in Berlin mit, die Regierung werde die Entwicklung mit einem Darlehen von fast zwei Milliarden Mark unterstützen.

Mit der Förderung des doppelstöckigen Verkehrsflugzeugs will Schröder nicht nur den "Technologiestandort Europa", sondern auch den deutschen Arbeitsmarkt stärken. Allein in Hamburg entstünden dank der "fairen Arbeitsteilung" mit dem Airbus-Standort Toulouse 4000 neue, hoch qualifizierte Arbeitsplätze, erklärte der Kanzler. EADS habe darüber hinaus zugesagt, dass "ein großer Anteil gerade auch technologisch hochwertiger Komponenten in den neuen Bundesländern gefertigt" werde. Mehr als 2000 Arbeitsplätze sollten dadurch geschaffen werden.

Der multinationale EADS-Konzern, der zu 80 Prozent an Airbus beteiligt ist, begrüßte die Entscheidung als "wichtige Weichenstellung für das Flaggschiff der europäischen Integration". Der A3XX könne in Deutschland direkt und indirekt insgesamt 47.000 Arbeitsplätze garantieren.

Die britische Regierung will den A3XX mit einem Kredit von umgerechnet 820 Millionen Euro unterstützen. Die französische Regierung hat Hilfen in ähnlicher Größenordnung wie Deutschland angekündigt. Insgesamt werden die Entwicklungskosten für den Super-Flieger auf etwa zwölf Milliarden US-Dollar - rund 27 Milliarden Mark - beziffert.

Lebhafte Nachfrage

Die EADS, die aus dem Zusammenschluss der Münchner DaimlerChrysler-Tochter Dasa mit der französischen Aérospatiale Matra und der spanischen Casa entstanden ist, beschäftigt rund 87.000 Mitarbeiter und ist der drittgrößte Luft- und Raumfahrtkonzern der Welt. Mit dem Börsengang am 10. Juli ging das Unternehmen offiziell an den Start.

Das Geschäft des Konzerns profitierte zuletzt von der lebhaften Nachfrage nach Airbus-Flugzeugen und vom starken Dollar. In den ersten neun Monaten betrugen die Erlöse auf Pro-Forma-Basis 15,87 Milliarden Euro. Der Auftragseingang liege mit 31,2 Milliarden Euro deutlich über den ursprünglichen Erwartungen, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

In den ersten neun Monaten entfiel mit 10,3 Milliarden Euro wieder der Löwenanteil des Umsatzes auf den Airbus-Teil. "Airbus erhält mehr Aufträge als erwartet und wird seine Fertigungskapazität weiter ausbauen", erklärten Philippe Camus und Rainer Hertrich, die das Unternehmen gemeinsam führen.

"Nicht die Katze im Sack kaufen"

Für den A3XX liegen nach früheren Angaben aus dem Wirtschaftsministerium bereits über 50 klare Kaufsignale vor. Die Nummer eins der deutschen Luftfahrtbranche, die Deutsche Lufthansa, äußerte sich allerdings eher zurückhaltend. Am Rande einer Pressekonferenz teilte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch mit, dass eine Kaufentscheidung für den Airbus A3XX oder den Konkurrenten Boeing 747X nicht vor Ende des Jahres fallen werde.

Großflugzeuge benötige die Lufthansa nicht vor dem Jahr 2007. "Wir werden uns ganz genau die zur Verfügung stehenden Produkte anschauen", sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Weber. Lufthansa wolle nicht "die Katze im Sack kaufen". Wenn die Betriebskosten pro Sitzplatz mit den neuen Flugzeugen allerdings tatsächlich um 20 Prozent sinken sollten, hätten vielleicht beide Flugzeugtypen eine gute Zukunft, so Weber.