Airbus-Aktionstag Massenproteste gegen Sparprogramm
Hamburg/Laupheim/Toulouse - Der Protesttag begann in Deutschland mit einer Menschenkette, die rund 2000 Menschen um das Airbus-Werk in Laupheim bildeten. Auch in Hamburg ist eine Veranstaltung geplant, bei der sogar 20.000 Teilnehmer erwartet werden und zu der auch der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Öttinger kommen will. In Frankreich planten die Mitarbeiter, die Arbeit ab neun Uhr ruhen zu lassen, auch in Spanien sollte gestreikt werden.
"Ein Herz für Airbus" lautet das Motto des Aktionstag: Vor dem Laupheimer Werk wurden Hunderte Herzen aufgestellt - für jeden Mitarbeiter eins
Foto: DPAIn einem Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau" stimmte der Airbus-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Rüdiger Lütjen, die Öffentlichkeit schon einmal auf den Protest ein. Airbus sei kein Sanierungsfall, wie es die Spitze des Airbus-Mutterkonzerns behaupte, um damit den harten Sparkurs zu rechtfertigen, sagte Lütjen. Tatsächlich arbeite der Flugzeugbauer erfolgreich. Der Mutterkonzern EADS habe seit seiner Gründung im Jahr 2000 "dicke Milliardengewinne eingefahren, hautsächlich dank Airbus".
Zweifel äußerte der Betriebsratsvorsitzende auch an den von den EADS-Chefs Louis Gallois und Thomas Enders in dieser Woche vorgelegten schlechten Bilanzzahlen. Lütjen betonte: "Wir haben volle Auftragsbücher für fünf Jahre." Der europäische Verbund mit 17 Standorten sei sogar ein Vorteil. "Unsere große Fertigungstiefe ist ein Grund", sagte Lütjen, "warum Airbus Boeing überholt hat." Boeing stellt teilweise nur noch ein Fünftel eines Flugzeuges selber her, den Rest besorgen Fremdlieferanten. Airbus will nun ebenfalls zahlreiche Werke ausgliedern oder in Partnerschaft mit anderen Unternehmen betreiben.
Eine so geringe Fertigungstiefe sei betriebswirtschaftlich und strategisch ein Fehler, warnt Lütjen: "Unsere Sorge ist, dass EADS mit einem nachgemachten Boeing-Modell die Systemführerschaft verliert." Der Verkauf von Werken und der Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen, wie es das "Power 8"-Programm vorsieht, schade mittelfristig dem Unternehmen. Wenn demnächst der erste Großraumjet A380 in die Endfertigung gehe, werde "jede Hand gebraucht". Es wäre unsinnig, sich jetzt von hochqualifizierten Beschäftigten zu trennen, um dann in ein paar Monaten wieder teure Schulungsprogramme aufzulegen. Dies gelte auch für die 6300 Leiharbeiter bei Airbus Deutschland.
Der Protesttag und die dadurch zu erwartenden Produktionsausfälle werden Airbus wohl hart treffen - denn die Auftragsbücher sind voll und die Zeitpläne dementsprechend knapp kalkuliert. Allerdings gingen dem Aktionstag unschöne Auseinandersetzungen zwischen deutschen und französischen Gewerkschaften voraus, die den Eindruck einer geschlossenen Mitarbeiterfront kräftig erschüttert haben. Anlass des jüngsten Streits war ein Flugblatt, in dem die französische Gewerkschaft CFE-CGC das Sanierungsprogramm "Power 8" als "Prämie für die Inkompetenz" der deutschen Airbus-Werke bezeichnet hatte. Der Hamburger Betriebsratsvorsitzende Horst Niehus warf der Gewerkschaft deswegen "Populismus" und "Nationalismus" vor.
Der französischen Zeitung "Libération" zufolge forderte Niehus die CFE-CGC außerdem auf, sich aus dem Betriebsrat zurückzuziehen, weil sie der Konzernführung nahe stehe. Anders als ursprünglich geplant verzichten die Gewerkschaften beim heutigen Aktionstag auf eine zentrale Kundgebung in Brüssel und organisieren stattdessen nationale Proteste.
ase/dpa/AP/ddp