Airbus-Chef in Deutschland: "Bitte keinen Krieg!" - DER SPIEGEL
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Airbus-Chef in Deutschland "Bitte keinen Krieg!"

Bei seinem Antrittsbesuch in Hamburg hat Airbus-Chef Louis Gallois erneut harte Einschnitte angekündigt. Einen "Krieg" der Standorte Deutschland und Frankreich wolle er aber vermeiden. Für Verwirrung sorgte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust wegen eines Einstiegs des Bundes bei EADS.
Von Tim Höfinghoff und Stefan Simons
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg/Paris - Die deutschen Airbus-Mitarbeiter hatten gespannt auf den Auftritt ihres neuen Chefs gewartet. Schließlich hatten ständig neue Horrormeldungen über einen Jobabbau für Unruhe gesorgt. "Alles Spekulationen", hieß es stets bei Airbus.

Heute nun war der Franzose Louis Gallois zu seinem Antrittsbesuch nach Hamburg gekommen, um mit Managern und Arbeitnehmervertretern über die Probleme des Unternehmens zu reden. Gallois beriet auch mit Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken, dem Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sowie Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU).

Gallois nannte den Standort Hamburg eine wichtige Stütze im Produktionsverbund von Airbus. Natürlich müsse es "Wettbewerb zwischen den Standorten" geben, aber "bitte keinen Krieg".

"Wir werden reduzieren, aber wir haben viele Wege"

Wegen der Lieferschwierigkeiten beim A380 ist EADS   in die schwerste Krise seit Gründung des Unternehmens geraten. Das Sanierungsprogramm "Power 8" sei in "schwierigen Zeiten" angelaufen, so Gallois. Damit sollen nicht nur die Kosten sinken, auch die Entwicklungszeiten würden kürzer. Ob die Montage einzelner Flugzeuge in andere Regionen verlagert werde, sei nicht entschieden. Zuvor war diskutiert worden, die Fertigung des A380 vollständig nach Toulouse zu verlagern.

Auch was den Abbau von Arbeitsplätzen angeht, seien noch keine Entscheidungen gefallen. Alles andere "sind pure Spekulationen", sagte Gallois. "Wir werden reduzieren, aber wir haben viele Wege", so der Airbus-Chef. "Wir werden alles tun, um Entlassungen zu vermeiden." Für Airbus in Deutschland gibt es eine Betriebsvereinbarung, die bis zum Jahr 2012 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Gallois wollte wegen der A380-Krise keine Schuldzuweisungen an den Standort Hamburg richten. "Wir haben Schwierigkeiten, aber die hätten auch an anderen Orten passieren können." Hamburg sei ein starker Standort. "Es geht jetzt darum, ein wirklich integriertes Unternehmen zu schaffen." Airbus hat nach seiner Einschätzung nicht nur Probleme bei der A380-Montage, sondern vor allem durch den schwachen Dollarkurs. "Unsere Wettbewerbsfähigkeit ist auf Grund des niedrigen Dollarkurses um 20 Prozent zurückgegangen."

Betriebsräte und die IG Metall kritisierten Gallois und forderten "ein klares Bekenntnis zu allen Standorten". Was sich in den vergangenen Tagen bei Airbus abgespielt habe, seien "Chaostage im Management", sagte Rüdiger Lütjen, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Airbus Deutschland.

Bundeskanzlerin widerspricht Hamburger Bürgermeister

Auch Hamburgs Bürgermeister von Beust forderte, die Verträge zwischen Airbus und der Stadt müssten eingehalten werden. Sollte es Stellenstreichungen geben, müsse es eine "faire Abwägung" geben, sagte von Beust vieldeutig. Das Hamburger Airbus-Werk ist das größte Werk in Deutschland. Es hat 12.000 Mitarbeiter - hinzukommen mehrere tausend Leiharbeiter und Zulieferbetriebe mit rund 10.000 Beschäftigten.

Für Verwirrung sorgte von Beust mit seiner Aussage, die Bundesregierung werde Anteile am Airbus-Mutterkonzern EADS übernehmen. DaimlerChrysler   hält derzeit 22,5 Prozent an EADS, will den Anteil aber auf 15 Prozent reduzieren. "Dass gekauft wird, steht fest", sagte von Beust. "Ich begrüße den Entschluss der Bundesregierung." Eine Arbeitsgruppe werde prüfen, welchen Beitrag die Stadt Hamburg leisten könne. Später schränkte er seine Äußerung wieder ein und sagte, dass "der Bund handeln muss".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte heute bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac in Paris gesagt, dass es noch keine Entscheidung über einen Einstieg gebe. Sollte jedoch DaimlerChrysler seine Anteile verkaufen, schloss Merkel ein Engagement bei EADS nicht aus.

Während sich damit zwischen Hamburg und Berlin die Widersprüche offenbarten, bemühten sich Merkel und Chirac um Schadensbegrenzung: Anlässlich des siebten Ministerrats in Paris, bei dem die beiden Regierungen einen Themenkatalog von fast 70 Punkten abzuarbeiten hatten, gab sich das Führungsduo wie ein altes Ehepaar – ohne überschwängliche Zuneigung, aber, so Merkel, einander zugetan "in gegenseitigem Verständnis und Vertrauen".

"Kameradschaft der Gespräche"

Chirac fand beim Thema EADS und Airbus beschwichtigende Worte: "Wir haben uns beglückwünscht, dass eine Lösung der Krise gefunden wurde", tönte er und versicherte, dass Unternehmen werde "in den künftigen Jahren der erste Konstrukteur der Flugzeugbranche" bleiben. In der von Merkel beschworenen "Kameradschaft der Gespräche" hatten sich die Kanzlerin und ihr Gastgeber auf eine gemeinsame Sprachregelung geeinigt: Das angeschlagene Unternehmen sei ein "herausragendes Produkt der deutsch-französischen Industriekooperation", lobte Merkel.

Doch als die Sprache auf den Abbau von Arbeitsplätzen kam, zeigte die Kanzlerin Zähne. Zwar seinen Ausmaß und Art und Weise des Umbaus noch nicht beschlossen, aber den deutschen Arbeitnehmern versprach sie, sich mit "einem Höchstmaß" für die Sicherung der Produktion in Hamburg einzusetzen. Mit Blick auf die Schuldzuweisungen von französischer Seite stellte sich die Kanzlerin hinter Hamburg und seine "äußerst qualifizierte Belegschaft".

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