Airbus-Deutschland-Chef Puttfarcken: Kraftloser Botschafter - DER SPIEGEL
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Airbus-Deutschland-Chef Puttfarcken Kraftloser Botschafter

Der deutsche Airbus-Chef Puttfarcken verteidigt die Sanierung des Flugzeugbauers nach Kräften, was soll er auch sonst machen. Einfluss auf die Entscheidungen hat er kaum mehr. Er muss derzeit vor allem den Kopf hinhalten - nicht seine beste Rolle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Viel zu sagen hat Gerhard Puttfarcken nicht gerade. In drei deutschen Werken sind die Mitarbeiter in den wilden Streik getreten, am Vortag hat der Flugzeugbauer erklärt, 10.000 Jobs zu streichen und drei Werke ganz oder teilweise verkaufen zu wollen. Und dem Airbus-Deutschland-Chef fallen dazu im dpa-Interview nur Weisheiten ein wie: "Sorgfalt geht vor Schnelligkeit" und mit Blick auf die deutschen Werke: "Die Voraussetzungen sind gut, die Auslastung ist über Jahre gegeben."

Was soll er auch sonst sagen. Puttfarckens Rolle ist es, die Entscheidungen der Konzernspitze rüberzubringen. Einfluss darauf hat er nicht mehr allzu viel. Die nationalen Zentralen sollten keinerlei operative Vollmachten mehr haben, hatte Airbus-Gesamtchef Louis Gallois bei der Vorstellung des Sanierungsplans "Power8" noch mal erklärt. Und damit sämtliche Diskussionen, ob die Länderchefs mehr Einfluss haben müssen, abgewürgt.

Auch hinter den Kulissen gilt Puttfarcken als abgemeldet. Nicht umsonst tritt er, wenn er denn in den vergangenen Monaten zu sehen war, meist mit tief zerfurchter Stirn und ratlosem Blick auf. Es scheint wenig übrig von dem "Mann der klaren Worte", als der er vor allem bei seiner Beförderung zum Deutschland-Chef 2003 gefeiert wurde. Puttfarcken sei ein "kompetenter und entscheidungsfreudiger Manager" mit "hervorragendem Ruf" in der Luftfahrtbranche, hieß es damals. Und einer, der sich in dem komplexen deutsch-französischen Unternehmenskonstrukt bestens auskennt. 1976 war der Betriebswirt von Krupp zum Flugzeugbauer Messerschmitt-Bölkow-Blohm gewechselt, einem Vorläufer von Airbus. In den folgenden Jahren leitete Puttfarcken die Fabrik in Finkenwerder, bereitete das A380-Programm mit vor und war für die kleinen Modelle A318 bis A321 zuständig.

Letztendlich aber verfing sich der hochgewachsene Mann dann doch im deutsch-französischen Geflecht. Sein Abgang stehe unmittelbar bevor, hieß es vergangenes Jahr eine Zeit lang sogar. Auch Puttfarcken habe von den Problemen mit dem A380 gewusst und sie verschwiegen. Eine Arbeitsgruppe aus 1200 Experten, die unter seiner Leitung stand, habe sich vergeblich um eine Lösung für den Kabelsalat bemüht, berichtete die "Welt".

Dass die Probleme in Hamburg vor allem deshalb entstanden waren, weil Airbus-Kreisen zufolge französische Manager den Kunden die wildesten Sonderausstattungswünsche versprochen hatten, interessierte offenbar keinen. Wahrscheinlich auch, weil Puttfarckens größte Unterstützter, der ehemalige Airbus-Chef Gustav Humbert und Ex-EADS-Co-Chef Noël Forgeard, nach dem kostspieligen Ärger mit dem Riesenflieger schon gegangen waren.

Problemfälle bei Airbus

"Doppeltes Glück" habe Puttfarcken doch noch den Job gerettet, resümierte die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich. Einerseits musste der wenig diplomatische Interims-Airbus-Chef Christian Streiff, auf dessen Abschussliste Puttfarcken anscheinend stand, schon nach wenigen Wochen das Handtuch wieder gehen. Sein Nachfolger Louis Gallois gilt als Mann des Ausgleichs.

Außerdem aber wäre der Rauswurf des deutschen Vertreters gleich wieder als Menetekel für eine Machtverschiebung zugunsten der Franzosen im Konzern interpretiert worden. Also durfte Puttfarcken bleiben. Viele Freunde hat er in den Führungsetagen aber nicht mehr.

So fungiert er mehr schlecht als recht als eine Art Airbus-Botschafter. Nicht, dass Puttfarcken es nicht gewohnt wäre, sich und Airbus in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. In den vergangenen Jahren hat er das eigentlich permanent getan. Wegen des Hickhacks um die neue A380-Landebahn in Hamburg, beim Streit um das neue Auslieferungszentrum, oder wenn es mal wieder Krach gab zwischen deutschen und französischen Werken. Aber die Rolle des Repräsentanten ist ihm nicht gerade auf den Leib geschrieben.

Zumindest das letzte Mal, als er vor der Hamburger Airbus-Mannschaft aufs Podest steigen musste, stellte er sich alles andere als geschickt an. Sicher, es war der große Airbus-Aktionstag, zum ersten Mal war von 10.000 gefährdeten Jobs in Deutschland die Rede, und Puttfarcken stand gewissermaßen stellvertretend für die gesamte Airbus-Führungsspitze, die die Leute für die Misere verantwortlich machten. Trotzdem hätte er wissen müsse, dass man vor dieser aufgebrachten Mitarbeiter-Menge nicht zuerst vom schlechten Dollar-Kurs reden kann, der angeblich das Geschäft verhagelt.

Doch steif und ein wenig kraftlos kämpfte sich Puttfarcken durch seine Rede, die Leute vor ihm pfiffen zuerst und lachten irgendwann nur noch zynisch. Über die miese Situation und ein bisschen wohl auch über Puttfarcken selbst.

Morgen muss er sich dieser Meute nun erneut stellen. Er soll bei der außerordentlichen Betriebsversammlung auftreten, die wegen des "Power 8"-Programms einberufen wurde. Repräsentieren heißt eben vor allem auch den Kopf hinhalten.