Airbus: Gezerre um das Sanierungsprogramm - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Airbus Gezerre um das Sanierungsprogramm

Airbus-Betriebsratschef Rüdiger Lütjen gibt allein dem Management die Schuld für die Krise des Flugzeugbauers. Trotzdem will die Belegschaft einen Beitrag zur Überwindung der Misere leisten. Lütjen knüpft seine Bereitschaft zur Kooperation jedoch an Bedingungen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der Gesamtbetriebsrat nannte als Beispiel die Bereitschaft der Mitarbeiter zu flexiblen Arbeitszeiten. Bedingung sei jedoch der Erhalt aller Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland. Die Durststrecke könne durch die Anwendung des Programms "Sicherheit durch Flexibilität" überbrückt werden, erklärte Lütjen. In dieser Vereinbarung von 2003 hatten sich die Arbeitnehmer bereit erklärt, bei geringer Auslastung weniger zu arbeiten. Im Gegenzug hatte das Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen bis 2012 ausgeschlossen.

Wichtig ist Lütjens Überzeugung nach aber ein auch ein Zeichen der Unternehmensleitung. Die aktuelle Misere sei durch Managementfehler entstanden, sagte Lütjen. "Es kann nicht sein, dass die Belegschaft alles trägt. Wenn wir einen Beitrag liefern, muss das auch das Management." Eine am Freitag von Geschäftsführung und Arbeitnehmerseite eingesetzte Steuerungsgruppe soll jetzt alle Möglichkeiten prüfen.

Der Airbus-Mutterkonzern EADS   hatte am Dienstag ein drastisches Sparprogramm beschlossen, das bis 2010 rund fünf Milliarden Euro an Einsparungen bringen soll. Dies aber wäre ohne einen Arbeitsplatzabbau nicht möglich. Hintergrund sind große Probleme beim Bau des A380, die Airbus nicht in den Griff bekommt.

Die Diskussion ist aber nicht die einzige Front, an der Airbus-Chef Christian Streiff zu kämpfen hat. Denn noch während über das Sanierungsprogramm diskutiert wird, zettelt die französische Regierung eine neue Runde im Kampf zur Durchsetzung nationaler Interessen an. Speziell Phillippe Douste-Blazy, Außenminister und Präsident des Großraums Grand Toulouse, macht sich für die französischen Interessen stark. Er dringt auf einen Ausbau der Flugzeugproduktion in Toulouse und den anderen drei Standorten in Frankreich.

Er habe Streiff deutlich gemacht, dass der geplante mittelgroße A350 in Toulouse gebaut werden müsse, sagte Douste-Blazy. "Ich werde alles dafür tun, damit sich die Werke entwickeln können." Die Zukunft der deutschen Werke erwähnte der Minister nicht.

Politik, Gewerkschaften und Arbeitgeber in Norddeutschland machen sich dagegen für die deutschen Airbus-Standorte stark: Nicht nur Hamburg, sondern die ganze norddeutsche Region sei in den letzten zehn Jahren zum Luft- und Raumfahrtzentrum geworden, sagte Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IG Metall Küste, dem NDR. Damit seien auch viele Zulieferer betroffen. Auch der Arbeitgeberverband Nordmetall sprach sich "mit Nachdruck" für Erhalt und Stärkung der Airbus-Standorte aus.

mik/AP