Airbus-Krise Debatte über Doppelspitze bei EADS
Paris - Aus dem Konzern ist zu hören, dass die Abschaffung der Doppelspitze mit je einem französischen und einem deutschen Chef diskutiert wird. Dem Szenario zufolge würde der deutsche Co-Chef Thomas Enders alleiniger Vorstandschef, Frankreich würde den Chairman (Chef des Verwaltungsrats) sowie den Airbus-Chef stellen, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen heute. Unklar sei jedoch, wie stark die Unterstützung dafür sei. Für den Posten des Chairman ist Louis Gallois, Chef der französischen Bahn, im Gespräch.
EADS wollte die Informationen nicht kommentieren. Dies sei Sache der Anteilseigner, sagte ein Sprecher.
Sollte die Doppelspitze tatsächlich abgeschafft werden, müsste nicht nur der bisherige EADS-Co-Chef Noël Forgeard seinen Hut nehmen, sondern auch Airbus-Chef Gustav Humbert. Humbert ist der erste Deutsche an der Spitze des europäischen Flugzeugbauers. Forgeard war vor ihm Chef von Airbus. Der Franzose war nach einem langwierigen Machtkampf im vergangenen Jahr zusammen mit Enders an die Spitze berufen. Forgeard hatte zuvor die alleinige Führung des Konzerns für sich beansprucht, war aber am Veto von EADS-Großaktionär DaimlerChrysler gescheitert.
Forgeard ist wegen der Ausübung von Aktienoptionen wenige Monate vor der Bekanntgabe der Verzögerung im A380-Programm in die Kritik geraten. Sowohl die französische (AMF) als auch die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) prüfen den Vorgang.
In der vergangenen Woche hatte Airbus angekündigt, dass sich die Auslieferung des Prestigeobjekts Airbus A380 um bis zu sieben Monate verzögern wird. Den Mutterkonzern EADS belastet dies operativ in den kommenden vier Jahren mit insgesamt zwei Milliarden Euro, was zu einem Kurssturz der Aktie führte.
EADS war im Jahr 2000 aus der deutschen Dasa, der spanischen Casa und der französischen Aerospatiale hervorgegangen. Um dem sorgsam austarierten Machtgefüge zwischen Franzosen und Deutschen Rechnung zu tragen, wurden damals Doppelspitzen sowohl für den Vorstand als auch für den Verwaltungsrat beschlossen.
DaimlerChrysler hält 22,5 Prozent an EADS, der französische Staat und der Medienkonzern Lagardère zusammen ebenfalls 22,5 Prozent.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) appellierte an die EADS-Spitze, die Personalstreitigkeiten beizulegen. "Die sollen aufhören, miteinander zu streiten um Posten, sondern die Ärmel hochkrempeln", damit das Hochtechnologieprodukt Airbus, das Europa wieder in die Spitze bei der zivilen Luftfahrt gebracht habe, weiter gehen könne, sagte Glos heute in der Haushaltsdebatte des Bundestages. Hier sei die Industrie gefragt, nicht die Politik. Deshalb habe er sich nicht so sehr eingemischt.
kaz/Reuters/dpa