Airbus-Krise: EADS erstattet Anzeige - DER SPIEGEL
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Airbus-Krise EADS erstattet Anzeige

Nach außen gibt sich DaimlerChrysler vorsichtig. Doch Berichten zufolge arbeitet der EADS-Großaktionär massiv auf den Rücktritt von EADS-Co-Chefs Forgeard hin. Unterdessen erstattet EADS Strafanzeige gegen Unbekannt wegen der Weitergabe von Interna.
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Berlin - DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hielt sich bei seinem ersten offiziellen Statement zur A380-Krise bei EADS zurück. Es müsse sich etwas verändern im Management, sagte er lediglich. Hinter den Kulissen allerdings arbeite DaimlerChrysler eifrig an einer Ablösung Forgeards, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) unter Berufung auf EADS-Kreise. Noël Forgeard, der Co-Chef, sagte gestern vor dem französischen Parlament, er denke nicht an einen Rücktritt.

DaimlerChrysler wolle Forgeard loswerden, schreibt die "FAZ", weil er nach Ansicht von DaimlerChrysler maßgeblich verantwortlich ist für die erneuten Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380, die zu einem Kursrutsch der Aktien geführt hatten. Forgeard war selbst Airbus-Chef, bis er letztes Jahr an die Spitze des Mutterkonzerns rückte. "Das Projekt ist industriell nicht ordentlich unterfüttert", erklärten die Kreise dem Bericht zufolge über den A380. Außerdem werde Forgeard vorgeworfen, die Boeing-Langstreckenmaschine 787 (Dreamliner) unterschätzt zu haben und nicht rechtzeitig mit einer grundsätzlich überarbeiteten Version des A350 gekontert zu haben.

In Frankreich gerät Forgeard unterdessen wegen möglicher Insidergeschäfte zunehmend unter Druck. Er hatte noch im März große Aktienpakete verkauft und damit 2,5 Millionen Euro verdient. Die französische Börsenaufsicht ermittelt nun gegen ihn sowie gegen andere Vorstände.

Unterdessen hat EADS Strafanzeige gegen Unbekannt wegen der Veröffentlichung von Interna erstattet. Auch eine interne Untersuchung sei dazu angeordnet worden, teilte der Konzern heute in Amsterdam mit. Die Anzeige erfolgte den Angaben zufolge gestern in Paris. Ermittelt werden solle hinsichtlich des Diebstahls, des unerlaubten Besitzes sowie der unautorisierten Veröffentlichung interner und vertraulicher Entwurfsdokumente aus dem Eigentum des Unternehmens.

Die Pariser Zeitung "Le Monde" hatte mit Zitaten aus dem Protokoll einer Sitzung der EADS-Top-Manager vom 12. Mai in Amsterdam zu belegen versucht, dass bei der Einschätzung der Probleme beim Airbus A380 eher ein Graben zwischen Deutschen und Franzosen als zwischen EADS und der Tochterfirma Airbus aufgebrochen sei. Danach sollen die Franzosen nach Verzögerungen beim A380 und nach den Auswirkungen auf die Gewinnprognosen gefragt haben, während die Deutschen das Problem eher relativiert hätten.

Mitten in der A380-Krise dürfte eine andere Nachricht allerdings Balsam für die Seelen des EADS-Managements sein. Die Emirates Airlines will eine Bestellung ändern: Statt der 20 im Jahr 2003 bestellten Maschinen vom Typ A340-600 sollen nun Flugzeuge der Typen A380 und A350 bestellt werden. Derzeit befinde sich die Airline mit Airbus in Verhandlung über eine solche Bestellungsänderung. Die Nachricht dürfte ein kleiner Lichtblick für das Airbus- und EADS-Management sein, sind doch gerade der A380 und der A350 in letzter Zeit erheblich in die Kritik geraten.

ase//kaz/dpa-AFX/dpa