Airbus-Krise Humberts Mea Culpa
Paris - "Als CEO dieses Unternehmens nehme ich die Verantwortung für diesen Rückschlag an, und ich habe das Gefühl, es war die richtige Entscheidung zurückzutreten", schrieb Humbert in einem heute veröffentlichten Brief an alle Airbus-Mitarbeiter. Sowohl Kunden und Zulieferer als auch Angehörige hätten in den vergangenen Wochen viel lesen müssen über die Krise des Top-Managements bei EADS und Airbus. "Was die Unternehmen nun benötigen ist eine Rückkehr zu Würde und Integrität und die Konzentration aufs Geschäft."
Grund für die Krise sei der Verlust von Vertrauen. Nur durch mutige Entscheidungen und eine aufrichtige Kommunikation der Fakten könne dieses Vertrauen nun wieder hergestellt werden. Er selbst habe die Arbeit für das Unternehmen sehr geschätzt, ergänzte Humbert. "Es war keineswegs eine einfache Entscheidung für mich, zurückzutreten." Er verstehe diesen Schritt aber als seinen Beitrag, die "extrem schädlichen öffentlichen Spekulationen zu beenden und den Weg frei zu machen für ein neues Management-Team", hieß es in dem Brief.
Wie der französische EADS-Co-Chef Noël Forgeard hatte Humbert am vergangenen Sonntag seinen Rücktritt erklärt. Zum neuen Airbus-Chef wurde der Franzose Christian Streiff (51) ernannt, der bis Mitte 2005 Generaldirektor bei der Saint-Gobain-Gruppe war. Nachfolger Forgeards ist der Franzose Louis Gallois, der am Vortag gemeinsam mit EADS-Co-Chef Tom Enders versichert hatte, man werde den Konzern wieder auf Kurs bringen. EADS war in die Krise geraten, als erneute Lieferverzögerungen beim Riesenflieger A380 bekannt geworden waren. Im Anschluss an die Bekanntgabe dieser Nachricht war der Börsenkurs in den Keller gerutscht und das Unternehmen verlor innerhalb kürzester Zeit mehrere Milliarden Euro an Wert.
Spanien will EADS-Anteil ausbauen
Die spanische Regierung will die Krise des europäischen Konzerns unterdessen offenbar nutzen, um ihre Beteiligung kräftig auszubauen. Der Anteil an der Airbus-Muttergesellschaft soll von 5,5 Prozent auf 10,0 Prozent steigen, teilte ein Regierungssprecher in Madrid mit und bestätigte damit einen entsprechenden Zeitungsbericht.
Spanien will so stärker im europäischen Konsortium des Konzerns vertreten sein. Der Kaufpreis wird nach einem Pressebericht bei rund einer Milliarde Euro liegen. Die spanische Regierung hoffe, auf diese Weise einen größeren Anteil an der Produktion nach Spanien holen zu können, der derzeit bei rund sieben Prozent liege, spekulierten spanische Medien.
Nach den Verzögerungen für die Lieferung des Großraum-Flugzeugs A380 war die EADS-Aktie zunächst um mehr als 30 Prozent gefallen, von rund 26 auf 19 Euro. Mittlerweile notiert das Papier wieder bei 21 bis 22 Euro. Durch den Kursverfall könnten sich die Kosten für die Regierung verringern. Andererseits hatte der spanische Ministerpräsident José Luis Zapatero schon in der Vergangenheit den Wunsch geäußert, die spanische Beteiligung auf zehn Prozent aufzustocken.
Der französische Staat ist mit 15 Prozent einer der EADS-Großaktionäre. Dieser Anteil ist mit der Beteiligung des privaten Medienkonzerns Lagardère von 7,5 Prozent gebündelt. DaimlerChrysler ist auf deutscher Seite bei EADS Großaktionär mit noch rund 22,5 Prozent, die spanische Staatsholding SEPI hielt zuletzt knapp 5,5 Prozent, der Rest liegt bei angelsächsischen Fonds und anderen privaten Anlegern. Franzosen, Spanier und Deutsche sind in einem Aktionärspakt verbunden und tarieren ihren Einfluss bei Personal- und Strukturfragen aus.
Bei einer Zusammenkunft von 800 Kleinaktionären gestern abend hatte EADS versucht, verloren gegangenes Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Finanzchef Hans Peter Ring erklärte, der Konzern arbeite an einem Plan, die teuren Verzögerungen beim Super-Airbus A380 so schnell wie möglich aufzuholen. Das Flugzeug für 555 Passagiere bleibe ein Wachstumsträger.
Bei der emotionalisierten Versammlung forderten Anleger Ersatz für ihre Verluste beim Sturz der EADS-Aktie, der nach Bekanntgabe der Lieferverzögerungen vor fast drei Wochen eingetreten war: "Gebt uns unser Geld zurück!" Einige Redner forderten den ehemaligen EADS-Co-Chef Forgeard auf, sie aus dem Millionengewinn zu entschädigen, den er mit dem Verkauf von EADS-Aktien vor dem Kurssturz eingestrichen hatten. Der Franzose hatte im März große Aktienpakete verkauft und so 2,5 Millionen Euro verdient. Die Börsenaufsicht ermittelt nun gegen ihn und andere EADS-Vorstände wegen des Verdachts auf Insiderhandel.
ase/dpa-AFX