Airbus-Krise Neue Rücktrittsgerüchte um Streiff
Frankfurt/München - Es werde bereits massiv nach einem Nachfolger gesucht, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") in ihrer morgen erscheinenden Aussage unter Berufung auf Unternehmenskreise. Zwischen Streiff und dem EADS-Verwaltungsrat bestehe kein Vertrauensverhältnis mehr, schreibt das Blatt. Streiff habe bereits in der vergangenen Woche beim Mutterkonzern seinen Rücktritt eingereicht. Dieser sei inzwischen von der EADS-Führungsspitze angenommen worden, aber offiziell noch nicht verkündet worden.
Ein Sprecher der Airbus-Muttergesellschaft nannte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa "ein Gerücht, das er nicht kommentieren wolle".
Noch am Freitag hatte Airbus jegliche Rücktritts-Spekulationen dementiert. Angeblich soll die Familie Peugeot bestrebt sein, den Airbus-Chef als Nachfolger für PSA-Chef Jean- Martin Folz anzuwerben, der Anfang 2007 in den Ruhestand tritt. Streiff soll sich bereits mit der Familie getroffen haben. Ein Sprecher des französischen Autokonzerns sagte der "FAZ", dass noch keine Entscheidung gefallen sei.
Als Gründe für einen Rücktritt seien fehlendes diplomatisches Geschick bei der anstehenden Airbus-Sanierung und eine mangelnde Bereitschaft zur Integration in den EADS-Konzern genannt worden. Brancheninsider vermuten hinter dieser Formulierung einen internen Machtkampf zwischen Streiff und EADS-Co-Chef Thomas Enders.
Streiff hatte erst im Juli den Deutschen Gustav Humbert abgelöst, der wegen der anhaltenden Produktionsprobleme beim Prestige-Flieger A380 gehen musste. Wegen erneuter, eklatanter Verzögerungen beim Bau des Großraumflugzeuges steckt Airbus derzeit in einer Krise und will ein milliardenschweres Sparprogramm umsetzen.
Der französische Premierminister Dominique de Villepin bescheinigte Streiff eine "ausgezeichnete Arbeit" und sieht keinen Anlaß für dessen Rücktritt. "Es gibt nach meiner Ansicht überhaupt keinen Grund für einen Rücktritt Streiffs, dessen wichtige Arbeit der vergangenen Wochen ich begrüße", sagte Villepin heute im französischen Fernsehen. Es sei Streiffs Aufgabe, den europäischen Flugzeugbauer aus der Krise zu führen.
Laut Villepin ist Airbus ein Symbol für die deutsch-französische Beziehung und steht für technologische Qualität. Nun sei es aber nötig, bestimmte strukturelle Entscheidungen zu treffen. Die bereits diagnostizierten Probleme beim Superjumbo A380 müssten angegangen werden. Dabei komme es darauf an, dass Airbus die richtigen Entscheidungen schnell und eindeutig treffe. Frankreich werde zudem besonders auf alle Fragen zum Thema Beschäftigung achten, sagte der Premier.
kai/bor/dpa/Reuters/AFP