Airbus-Krise: SPD beschimpft EADS-Manager als unfähig - DER SPIEGEL
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Airbus-Krise SPD beschimpft EADS-Manager als unfähig

10.000 Jobs werden bei Airbus gestrichen. Wo, wie und wann ist noch völlig unklar. Nun müssen sich die Manager bittere Kritik gefallen lassen: Sie seien völlig verantwortlungslos.
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Hamburg - Die Airbus-Muttergesellschaft EADS   müsse den Sanierungsplan "Power8" endlich fertig stellen und damit die "unerträgliche" Unsicherheit beenden, erklärte der Chef der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen, Wolfgang Jüttner. Zuvor hatte der französische Premier Dominique de Villepin dem Sender RTL bestätigt, dass im Rahmen der Restrukturierung des Flugzeugbauers 10.000 Jobs gestrichen werden sollen. "Das sieht der Plan vor", erklärte de Villepin - ohne allerdings ins Detail zu gehen. Der Abbau solle sozialverträglich gestaltet werden, sagte er lediglich.

Bei den Airbus-Mitarbeitern dürften spätestens jetzt vielerorts die Nerven blank liegen. Denn nach den mageren Aussagen des Premiers geht das Rätselraten weiter. Gestern hatte das Management die für heute geplante Präsentation des Sanierungsprogramms "Power8" erneut verschoben, weil sich Deutsche und Franzosen immer noch über den Inhalt streiten.

EADS-Co-Chef Tom Enders wollte den von Villepin angekündigten Stellenabbau nicht bestätigen. "Da weiß er vielleicht mehr als ich", sagte Enders heute am Rande einer Veranstaltung in Hamburg. "Es sind noch keine Entscheidungen getroffen." Auch den Zeitpunkt für die Bekanntgabe des Sanierungsprogramms "Power 8" verriet Enders nicht.

Arbeitnehmervertreter zeigten sich trotzdem entsetzt. Die von Villepin genannte Zahl sei "neu und problematisch", sagte Airbus-Betriebsrat Albert Diesch aus dem baden-württembergischen Laupheim. "So massiv wurde das sonst noch nicht genannt."

Einem "Bild"-Bericht zufolge sollen im Hamburger Werk weniger als 1000 der 12.000 Stellen wegfallen - der Hamburger Betriebsrat hatte wesentlich härtere Einschnitte befürchtet. Dafür sollen die Werke in Nordenham und Varel der "Bild"-Zeitung zufolge verkauft werden. "Es gibt noch keine Entscheidungen", lautete das Statement von Airbus-Sprecher Tore Prang auch zu diesen Meldungen.

Problemfälle bei Airbus

Sollten sie sich als richtig herausstellen, wäre Niedersachsen wie befürchtet am heftigsten von dem Sanierungsprogramm betroffen. Kein Wunder, dass SPD-Mann Jüttner jetzt schon gegen die Airbus-Pläne Sturm läuft. "Ich glaube nicht, dass das angemessen ist", sagte er zu dem nun absehbarem Stellenabbau. "Ob das die richtigen Antworten auf die Problemlage von Airbus sind, wage ich zu bezweifeln."

Der niedersächsische SPD-Chef Garrelt Duin hatte die Unfähigkeit des EADS-Managements, sich auf einen Plan zu einigen, schon vor dem Villepin-Interview scharf kritisiert. "Die Beschäftigten in so einen Schwebezustand zu versetzen, ist verantwortungslos", sagte Duin der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Ich habe den Eindruck, dass das Management überfordert ist." Die Planung gehe bereits über Monate, der Bekanntgabetermin habe seit langem festgestanden. "Und dann stellt man plötzlich fest, dass man nicht so weit ist - das ist hanebüchen", kritisierte Duin, der auch industriepolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Jacques Chirac werden am Freitag über die Zukunft des Flugzeugbauers beraten, bestätigte de Villepin. "Das ist eine Frage, die wir auf höchster Ebene angehen wollen." Er habe Merkel angerufen und das französische Bestreben übermittelt, "eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden". In dem weitgehend deutsch-französischen Unternehmen "muss eine gerechte Verteilung zwischen den einen und den anderen gefunden werden", sagte er.

Hauptstreitpunkt zwischen Deutschen und Franzosen ist nicht nur die Frage, wie die nötigen Einschnitte auf die Werke verteilt werden. Ein zentraler Punkt in den Verhandlungen ist auch der neue A350. Der Langstreckenjet soll dem Boeing   787 Dreamliner Konkurrenz machen und gilt als großer Hoffnungsträger bei Airbus. Deutsche Vertreter in der Führungsspitze befürchten, dass die französische Seite Bau und Entwicklung zu sehr an sich reißen will. Deshalb habe auch Großaktionär DaimlerChrysler   den Vorschlägen des französischen EADS-Co-Chefs Louis Gallois eine Absage erteilt, berichtet die "Financial Times Deutschland". Auch der deutsche Co-Chef Thomas Enders soll mehreren Berichten zufolge wegen der strittigen Kompetenzverteilung bei dem Bau des neuen Jets die Zustimmung zu "Power8" verweigert haben.

ase/wal/AFP/dpa/ddp/Dow Jones