Airbus-Mutter EADS Paris will Doppelspitzen abschaffen
Paris - Premierminister Dominique de Villepin erklärte, die Führung von Airbus müsse vereinfacht werden, um die künftigen industriellen Herausforderungen effizienter lösen zu können. Wirtschaftsminister Thierry Breton fügte hinzu, angesichts der Struktur mit zwei Co-Präsidenten und zwei Co-Chefs müsse ernsthaft diskutiert werden, ob man nicht mit je einem Posten auskomme.
Derzeit wird EADS vom deutschen Thomas Enders und seinem französischen Kollegen Louis Gallois geleitet. Die Manager sind sich in mehreren Punkten einig: Zum einen erklärten beide unlängst, sie würden die Aufgabe lieber alleine übernehmen. Zum anderen finden sie: Die Staaten sollten sich raushalten. "Ich würde mir ein Unternehmen ohne staatliche Beteiligung wünschen", sagte Enders frei heraus. Gallois erklärte das nationale Machtgerangel im Konzern zum "echten Gift". Airbus müsse "ein normales Unternehmen werden".
Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Paris ist bereits mit 15 Prozent an der Airbus-Mutter beteiligt, der französische Mischkonzern Lagardère hält weitere 7,5 Prozent. Auf deutscher Seite stehen dem DaimlerChrysler mit 15 Prozent sowie ein Konsortium unter Beteiligung mehrerer Bundesländer mit insgesamt 7,5 Prozent gegenüber. Und immer wieder werden in Frankreich Rufe nach einer Aufstockung dieser Beteiligung laut.
Franzosen wollen streiken, wenn A320 nach Hamburg geht
Der Streit zwischen Deutschen und Franzosen bei dem Flugzeugbauer tritt jedoch seit dem Beginn der aktuellen Krise immer offener zutage. Er hatte bereits zur Verzögerung des Sanierungsprogramms "Power 8" geführt und erreichte heute einen neuen Höhepunkt: Die französische Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) kündigte eine Blockade der Werke an, sollte die Produktion des lukrativen A320, wie in "Power 8" vorgesehen, von Toulouse nach Hamburg verlagert werden. Bislang ist die Fertigung der A320-Familie ausgewogen aufgeteilt. In Frankreich sollen künftig nicht mehr als 14 gegenüber bislang 17 Maschinen pro Jahr gebaut werden. "Hamburg würde allein vom Produktionsanstieg auf bis zu 45 Maschinen der A320 Familie profitieren. Das ist nicht hinnehmbar", sagte FO-Generalsekretär Julien Talavan der Zeitung "La Tribune".
Neben der FO haben vier weitere Gewerkschaften morgen zum Streik aufgerufen, um neue Verhandlungen mit Airbus-Chef Louis Gallois zu erzwingen. Denn in Frankreich hegt man die gleichen Ängste wie in Deutschland: Es bestehe die Gefahr, zukunftsweisende Kompetenzen an Deutschland zu verlieren, sagt Talavan.
In den in Deutschland besonders betroffenen Werken Varel, Nordenham und Laupheim wurde unterdessen heute wieder gearbeitet, nachdem die Beschäftigten aus Wut über "Power 8" ihre Arbeit vergangene Woche niedergelegt hatten. Der Betriebsrat im niedersächsischen Werk Varel forderte von dem Flugzeugbauer Investitionen, um die Produktionsstätte für die Zukunft zu rüsten. "Bis heute hat man uns nicht erklärt, was der Vorteil eines Verkaufs wäre", sagte der stellvertretende Betriebsrat Jürgen Blümel.
ase/AP/dpa