Airbus-Order: Indiens Luftfahrt-Maharadscha schlägt zu - DER SPIEGEL
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Airbus-Order Indiens Luftfahrt-Maharadscha schlägt zu

Auf der Luftfahrtschau in Le Bourget haben indische Airline-Unternehmer für die größten Schlagzeilen gesorgt. Unter ihnen war der Tausendsassa Vijay Mallya - wie im Vorbeigehen bestellte er fünf Mammut-Airbusse vom Typ A380. In Indien will er auch politisch hoch hinaus - manche sehen ihn als linken Silvio Berlusconi.
Von Joachim Hoelzgen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Vijay Mallya hat wieder mal von sich Reden gemacht. Vor kurzem bereits erwarb der Gründer der Billiggesellschaft Kingfisher Airlines, benannt nach dem hellblonden Lagerbier, 30 Airbusse vom Typ A320. In Paris kamen neben dem Doppeldecker A380 auch noch je fünf A330 und A350 auf der Order-Liste hinzu.

Denn Masse macht's auf dem boomenden Markt indischer Fluglinien, die gleich im Dutzend gegen die staatlichen Carrier Air India und Indian Airlines antreten. Die neue Billigfluglinie IndiGo hat in Paris sogar 100 Airbusse vom Typ A320 geordert. IndiGo gehört dem in Neu-Delhi ansässigen Reisekonzern InterGlobe und dem Geschäftsmann Rakesh Gangwal, der als Ex-Manager für United Airlines, Air France und US Airways Erfahrungen in der Branche gesammelt hat.

Pendelflüge zur schottischen Burg

Doch keiner der zahlreichen Konkurrenten ist ähnlich exzentrisch wie der 49-jährige Dollar-Milliardär Mallya. Zu seinen äußeren Merkmalen zählen Brillanten in den Ohrringen und am Armband - und Häuser im kalifornischen Sausalito und im Napa Valley, in Manhattan, Monaco und in fünf Metropolen Indiens. Auch eine Burg in Schottland gehört zu seinen Besitztümern, zwischen denen der Inder mit einer privaten Boeing hin- und herpendelt.

Partys mit Filmstars aus Bombay sind sein Plaisir, ebenso Rennpferde und eine Oldtimer-Sammlung mit einem Rolls-Royce Silver Shadow aus dem Jahr 1913. Gemälde von Picasso, Renoir und Chagall runden den Reichtum ab und dazu die Luxusyachten "Indian Princess" und "Kalizma", wobei die letztere einst Richard Burton und Liz Taylor gehörte.

Kaum Konkurrenz für den "Bagpiper"

All das verdankt Mallya dem Erbe, das ihm sein Vater Vittal 1983 hinterließ. Der Brauerei-Grande hatte nach der Unabhängigkeit Indiens ein Bier-Reich begründet, das der Sohn zügig ausbaute. Vijay Mallya eroberte mit seinen United Breweries in Bangalore knapp die Hälfte des Markts auf dem Subkontinent und drang mit weiteren Braustätten bis in die USA vor.

Ein weiteres Unternehmen - McDowell - gehört mit Likören und Schnäpsen zu den Spirituosen-Weltmarktführern. Und auch Mallyas Whisky "Bagpiper" hat in Indien, wo einst die englischen Kolonialoffiziere den abendlichen Schlummertrunk auf den Bungalow-Veranden einführten, kaum Konkurrenz.

Dabei gab es in der Vergangenheit auch um Mallya Gerüchte. Er habe es mit den Bilanzen und Steuern nicht so genau genommen und zu viel für seinen extravaganten Lebensstil entnommen, hieß es. Das aber schreckte ausländische Investoren nicht ab. Die britische Gruppe Scottish & Newcastle beteiligte sich an den United Breweries, und das gleiche taten die Finanzhäuser JP Morgan Chase und Oppenheimer. DaimlerChrysler wiederum war vor dem Start der Kingfisher Airlines mit 200 Millionen Dollar beteiligt.

"150 Millionen Konsumenten mehr"

Verlockend ist, dass in Indien sowohl die Bevölkerung wie auch die Wirtschaft stürmisch wachsen. Die Mittelklasse zählt inzwischen 250 Millionen Menschen - eine riesenhafte Gruppe, die an die Gesamtbevölkerungszahl der USA heranreicht. "Bis 2010 gibt es 150 Millionen solcher Konsumenten mehr", spekuliert der Bier-Luftkutscher Mallya - und immer mehr Youngster würden in Hightech-Zentren wie Bangalore und Hyderabad immer noch mehr Geld verdienen, ist er überzeugt.

Das ist nicht einmal weit hergeholt. In beiden Städten gibt es bereits mehr Software-Ingenieure als im Silicon Valley Kaliforniens. Und der Bedarf an ihnen nimmt kein Ende: Software-Firmen wie Infosys und Wipro heuern monatlich 1000 neue Angestellte an, und der Personalvermittler Monsterindia meldet zurzeit "1 lac jobs", das sind 100.000 Stellen.

Berlusconi von links

Doch Mallyas politische Ambitionen gebieten es, sich auch um die große Mehrheit armer Inder zu bemühen. Niemand kann ohne sie eine Wahl gewinnen. Mallya hat es zum Präsidenten der sozialistischen Neugründung Janata Party (deutsch: Volkspartei) gebracht und wirbt mit Sprüchen wie diesem: "Ich bin reich, und deshalb kann meine Regierung nicht korrupt sein."

Im Bundesstaat Karnataka trat Mallya neulich wieder vors Wahlvolk, auf dem Podium umgeben von künstlichen Wolken aus Trockeneis. Er übt sich in der Rolle eines indischen Silvio Berlusconi, der allerdings von links her angreift. Die meisten Inder seien nur deswegen arm, weil das Geld zur Bekämpfung der Armut nie bei den Betroffenen ankomme, lautet Mallyas Kernbehauptung. Und dabei sei Indien reich - reich an Talent und reich an Resourcen, so Mallya.

Manchmal geht er aber auch in sich. Vor kurzem flog er in die Tempelstadt Tirupati im Bundesstaat Andhra Pradesh, um die Hindu-Gottheit Venkateswara am Fuß der sogenannten Sieben Berge anzubeten. Den Schrein betrachtet er als spirituellen Glücksbringer. Mallya: "Vor wichtigen Entscheidungen komme ich jedesmal hierher."