Airbus-Probleme: EADS-Kurs sackt dramatisch ab - DER SPIEGEL
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Airbus-Probleme EADS-Kurs sackt dramatisch ab

Die Auslieferung des Super-Airbus A380 verzögert sich. Deshalb werden Schadensersatzforderungen fällig an die Fluggesellschaften, die das Flugzeug nun erst später als geplant in Betrieb nehmen können. Der Börsenwert des Mutterkonzerns EADS stürzte heute um 30 Prozent ab.
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Hamburg - Die Lieferverzögerungen beim A380 bescherten der Aktie des Mutterkonzerns EADS   heute einen drastischen Kurssturz: Nach einer Handelsunterbrechung fielen die Anteilsscheine des Luft- und Raumfahrtkonzerns an der Vierländerbörse Euronext   in Paris um mehr als 30 Prozent. Eine EADS-Aktie war damit nur noch 17,46 Euro wert. EADS ist zu 80 Prozent an Airbus beteiligt. Damit sank der Börsenwert um mehr als sechs Milliarden Euro auf 14,3 Milliarden Euro. Gegen Mittag stoppte der Abwärtstrend.

In London geriet auch die Aktie des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems   unter Druck, der die restlichen Anteile hält. BAE-Papiere gaben am Vormittag zeitweise bis zu 5,6 Prozent nach. EADS verhandelt zurzeit über einen Kauf des 20-Prozent-Pakets der Briten an Airbus.

Gestern hatte Airbus mitgeteilt, dass Probleme mit der Elektronik des A380 zu einer Auslieferungsverzögerung um weitere sechs bis sieben Monate führen werden. Anstatt der geplanten 20 bis 25 Flugzeuge sollen im kommenden Jahr nur neun Maschinen die Montagehallen in Toulouse verlassen. An der Erstauslieferung an Singapore Airlines Ende dieses Jahres hielt Airbus jedoch fest.

Ein Sprecher von Singapore Airlines äußerte sich dennoch kritisch über die Lieferverzögerung beim doppelstöckigen Flugzeug. "Wir sind über die Ankündigung der erneuten Verzögerung enttäuscht", sagte er heute in dem südostasiatischen Stadtstaat. Das Unternehmen habe bereits Gespräche mit Airbus über Schadensersatz aufgenommen. Zahlen nannte der Sprecher nicht.

Auch die australische Fluglinie Qantas   kündigte an, Entschädigung von Airbus zu fordern, ebenso der größte A380-Abnehmer, die arabische Fluggesellschaft Emirates: Die spätere Auslieferung verzögere Expansionspläne und habe Auswirkungen auf potenzielle künftige Umsätze, sagte ein Emirates-Sprecher heute. Die Lufthansa   will zunächst prüfen, ob und welche Auswirkungen der neue Zeitplan von Airbus auf die Lufthansa-Bestellungen hat. Zu möglichen Entschädigungsforderungen wolle das Unternehmen sich nicht äußern, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Airbus-Marketing-Chef John Leahy sagte der Nachrichtenagentur AFP, Airbus werde seinen Kunden Entschädigungen zahlen.

Emirates hat 43 A380 bestellt, Lufthansa 15, Qantas zwölf und Singapore Airlines zehn. Der Singapore-Airlines-Sprecher sagte, sein Unternehmen gehe weiter davon aus, die erste Maschine des weltgrößten Passagierflugzeuges wie von Airbus zugesichert Ende des Jahres zu erhalten. Airbus musste den Auslieferungstermin für die erste Maschine bereits von Mitte 2006 auf Ende des Jahres verschieben. Bisher bestellten 16 Kunden weltweit 159 Maschinen des Flugzeuges, das in der Standardversion 555 Sitzplätze bietet.

Laut EADS wird die Verzögerung im laufenden Jahr zwar keine Folgen für den Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) haben. Von 2007 bis 2010 werde dieser aber "um rund 500 Millionen Euro pro Jahr" hinter den ursprünglichen Planungen zurückbleiben, sagte ein Konzernsprecher.

Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Er ist über 72 Meter lang, knapp 80 Meter breit und 24,1 Meter hoch. Der Jet bietet in der Normal-Ausstattung 555 Passagieren Platz. Das europäische Unternehmen macht damit vor allem dem amerikanischen Flugzeughersteller Boeing und dessen größter Maschine, der 747-400, Konkurrenz.

kaz/AFP/Reuters/ddp