Airbus-Sanierung "Harte Einschnitte müssen jetzt sein"
SPIEGEL ONLINE: Ist die Angst der Airbus-Mitarbeiter berechtigt?
Schöppner: Es wird einen Stellenabbau geben, gar keine Frage. Manche Arbeitsplätze werden komplett verschwinden, andere werden ausgelagert. Insgesamt betrifft das wohl 8000 bis 10.000 Beschäftige.
SPIEGEL ONLINE: Wo liegt das Problem bei Airbus?
Schöppner: Wenn man die europäische Flugzeugindustrie mit anderen Branchen vergleicht, liegt sie noch weit zurück. In der Autoindustrie zum Beispiel ist der Anteil externer Zulieferer am Endprodukt viel höher. Nur bei Airbus glaubt man, fast alles selber machen zu müssen.
SPIEGEL ONLINE: Wie agiert die Konkurrenz?
Schöppner: Der Wettbewerb ist extrem hart. Boeing hat vor einigen Jahren eine ähnliche Krise durchgemacht wie heute Airbus. Aber mittlerweile ist das Unternehmen gut aufgestellt - eben weil es Stellen abgebaut und Werke verkauft hat. Airbus muss jetzt dringend nachziehen, um seine Flexibilität ebenfalls zu erhöhen.
SPIEGEL ONLINE: Geht das nur zu Lasten der Mitarbeiter?
Schöppner: Tut es ja gar nicht. In ausgelagerten Zulieferbetrieben können die Arbeitsplätze sogar sicherer sein als in einem Großkonzern. Das will zwar keiner glauben, aber es ist so. Ein unabhängiger Zulieferer könnte auch andere Unternehmen beliefern, zum Beispiel Boeing. Die Mitarbeiter stünden also besser da als jetzt, wo sie vom Wohl und Wehe eines einzigen Konzerns abhängig sind.
SPIEGEL ONLINE: Was würde passieren, wenn alles beim Alten bliebe?
Schöppner: Dann wird es für Airbus von Jahr zu Jahr schwieriger. Die harten Einschnitte müssen jetzt sein. Auch wenn das für den einzelnen Arbeitnehmer bitter ist: Die verbleibenden Arbeitsplätze werden dadurch sicherer. Insgesamt ist der Flugzeugbau eine Wachstumbranche. Langfristig wird Airbus deshalb sogar wieder Arbeitsplätze schaffen können.
SPIEGEL ONLINE: Aber dann wäre die Krise überstanden?
Schöppner: Das eigentliche Problem bei Airbus ist der Staatseinfluss. Das zeigt sich in diesen Tagen besonders deutlich: Das Unternehmen wurde nicht so optimiert, wie man es aus betriebswirtschaftlicher Sicht hätte tun müssen. Die Politiker schauen kurzfristig auf die Zahl der Arbeitsplätze. Dem Unternehmen aber schadet das langfristig.
SPIEGEL ONLINE: Der Staatsanteil bei Airbus wird jetzt sogar noch höher. Neben Frankreich beteiligen sich auch deutsche Bundesländer an dem Unternehmen.
Schöppner: Das darf nur eine zeitlich befristete Lösung sein. Mittelfristig sollte der Staatsanteil gleich Null sein.
Das Interview führte Anselm Waldermann