Airbus: Schatten über Europas Flugzeugbauer - DER SPIEGEL
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Airbus Schatten über Europas Flugzeugbauer

Die Produktionszahlen sind gut, der Airbus A380 ein Publikumsmagnet. Doch bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse ILA fällt ein Schatten auf die Erfolgsbilanz des europäischen Airbus-Konsortiums.
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Berlin - Airbus-Präsident Gustav Humbert räumte heute Fehler in der Konzeption und der Marktbewertung des Großraumflugzeug-Projekts A350 ein. Zugleich präsentierte er aber ein randvolles Orderbuch für die nächsten vier Jahre mit insgesamt 2114 abzuarbeitenden Aufträgen für Flugzeuge aller Größenordnungen. 2005 seien allein 1111 Aufträge dazu gekommen.

Humbert sagte auf der ILA, Airbus habe die Boeing-Konkurrenz im Segment der Großflugzeuge mit 250 bis 260 Sitzen unterschätzt. Es werde "einige substanzielle Änderungen" am Konzept der A350 geben, die im Sommer veröffentlicht werden sollten. Das hatten gestern auch die "Airbus-Minister" der an dem Flugzeugprojekt beteiligten europäischen Staaten verlangt.

Der A350, der 2010 in Dienst gestellt werden soll, ist als Konkurrenzmodell gegen die für 2008 angekündigte Boeing 787 "Dreamliner" konzipiert. Im Detail verlangten die Minister Verbesserungen unter anderem bei Reichweite und Spritverbrauch. Für Details verwies Humbert auf den Sommer, wenn alle Gespräche mit Kunden, Mitarbeitern und Anteilseignern geführt worden seien. "Der Wettbewerb beginnt im Sommer", versprach er.

Der Airbus-Chef ließ Verwunderung über ein Interview des EADS-Präsidenten Noel Forgeard in der französischen Tageszeitung "Le Monde" von gestern erkennen. Darin hatte Forgeard rhetorisch gefragt: "Anstatt (gegenüber Boeing) in der Defensive zu sein - warum sind wir nicht aggressiver, indem wir die Kapazität erhöhen?" Weiter wurde in der Zeitung angeregt, sowohl den Rumpf als auch die Reichweite des projektierten Flugzeugs zu vergrößern, damit die A350-Familie nicht nur der Boeing 787, sondern mit einer Passagierkapazität bis zu 375 Sitzen auch der 777 Konkurrenz machen könnte. Airbus gehört zu 80 Prozent dem EADS-Konzern.

Wesentliche Änderungen noch möglich

Als positiv wertete Airbus-Chef Humbert, dass die Projektentwicklung noch nicht so weit fortgeschritten sei, dass wesentliche Änderungen unmöglich seien. Ziel des Konzerns sei auf jeden Fall, auch in diesem Marktsegment mehr als 50 Prozent Marktanteil zu erringen. Humbert schätzte das Marktpotenzial auf 5000 bis 6000 Flugzeuge in den nächsten 20 Jahren.

Humbert kündigte für 2006 eine Zahl von "nahe an 430" auszuliefernden Flugzeugen an. Im vergangenen Jahr waren es 378 Maschinen. Außerdem sollen noch in diesem Jahr die beiden ersten A380 an den ersten Kunden Singapore Airlines ausgeliefert werden.

Das Doppelstock-Flugzeug, das je nach Bestuhlung bis zu 800 Passagiere befördern kann, ist der Star der diesjährigen ILA. Von ihm hat Airbus nach Angaben des Programmchefs Charles Champion bereits Bestellungen von 16 Kunden über insgesamt 159 Stück erhalten.

"Wenn Sie jetzt einen bestellen, müssen Sie bis 2011 warten", sagte Champion. Ein technisch fertiges Exemplar steht in der Hamburger Airbus-Werft, wo es mit der Inneneinrichtung bestückt und Ende des Jahres an Singapore Airlines ausgeliefert werden soll.

kaz/AP