Airbus-Sparprogramm Hamburg kommt glimpflich davon
Paris - So manches Horrorszenario wird nicht Realität, wenn man den neuen Berichten über "Power8" glauben darf. Trotzdem werden die Einschnitte die Mitarbeiter noch hart genug treffen: Das französische Wirtschaftsblatt "Les Echos" berichtet unter Berufung auf Gewerkschafter, EADS wolle sich im Rahmen des Airbus-Sanierungsprogramms von zwei Produktionsstätten in Deutschland trennen. In Frankreich sollen demnach ebenfalls zwei Airbus-Werke verkauft werden. In früheren Entwürfen sei dagegen noch erwogen worden, in beiden Ländern mehr als insgesamt vier Werke abzustoßen.
Nach Informationen des NDR sollen am größten deutschen Airbus-Standort in Hamburg-Finkenwerder nun 800 Arbeitsplätze auf der Streichliste stehen. Arbeitnehmervertreter hatten mehr als 1000 Arbeitsplätze in Gefahr gesehen. Übereinstimmend mit "Welt online" berichtete der Sender, dass es bei der Arbeitsteilung für das weltgrößte Passagierflugzeug A380 zwischen beiden Ländern bleiben soll. Der A380 werde wie ursprünglich vorgesehen in Teilen in Hamburg gebaut und dann ausgeliefert.
Der neue Mittelstrecken-Jet A350 werde zum Großteil in Frankreich produziert, sein Rumpf jedoch in Deutschland gebaut. Damit käme die Kohlefasertechnologie, die künftig den Flugzeugbau bestimmen dürfte, auch nach Deutschland. Die deutschen Werke hatten befürchtet, von dieser Weiterentwicklung abgehängt zu werden. Im Gegenzug für den französischen Schwerpunkt beim A350 soll Hamburg laut "Focus" die komplette A320-Produktion bekommen.
Nicht nur in Hamburg, sondern auch insgesamt soll der Stellenabbau bei Airbus moderater ausfallen als befürchtet. "Welt Online" berichtet unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen, dass im gesamten Unternehmen noch 8000 Jobs auf der Streichliste stehen - 3500 davon in deutschen Werken, 4200 in französischen.
Morgen sollen die Details des Programms offiziell bekannt gegeben werden. Schon heute will der Europäische Metallgewerkschaftsbund in Brüssel einen Katalog mit Forderungen an das EADS-Management präsentieren. Sollte das Programm zu hart ausfallen, droht die Vereinigung mit einem harten Kampf. Wenn die Aufteilung der Produktion auf die Werke den Mitarbeitern missfalle, "werden wir ein echtes Feuerwerk veranstalten", sagte der Co-Chef des Airbus-Gesamtbetriebsrates, Jean-François Knepper, der Zeitung "Le Parisien".
Problemfälle bei Airbus
Werksausgliederungen könnten langfristig zur Stellenverlagerung in Billiglohnländer führen, fürchtet er. Knepper rief die Airbus-Aktionäre und insbesondere Frankreich auf, wie die deutschen Bundesländer in das Unternehmen zu investieren. Die Einigung der EADS-Führung gestern Abend sei "das Ende des Tunnels, aber der Beginn der Probleme".
Aus Frankreich kommen unterdessen ungewohnte Forderungen: Mehrere Spitzenpolitiker plädieren für größere Zurückhaltung der Politik bei Airbus. "Jeden Tag gibt es Eingriffe des französischen Staates und des deutschen Staates", sagte der Präsidentschaftskandidat der Zentrumspartei UDF, François Bayrou. Oft arbeiteten die beiden Seiten dabei gegeneinander. Deswegen seien wichtige Entscheidungen nicht gefallen und im Konzern Informationen nicht weitergeleitet worden. "In der derzeitigen Lage bin ich dafür, alle zu unterstützen, die ein Maximum an Produktion nicht mal in Frankreich, sondern in Europa halten wollen."
Auch der neogaullistische Präsidentschaftskandidat und Innenminister Nicolas Sarkozy - sonst bekannt für sein konsequentes Eintreten für französische Industrieinteressen - sagte nun, man müsse heute im Interesse von Airbus denken und nicht im Interesse Frankreichs, Deutschlands, Spaniens oder eines anderen Aktionärs. "Es geht nicht um die Werke, sondern um die Zukunft von Airbus." Auch Sarkozy plädiert für Investitionen der Airbus-Aktionäre in die Konzernentwicklung. Die Unternehmensführung dürfe man "nicht nur deutsch-französisch" sehen. "Ich glaube nicht, dass man sich die Werke aufteilen kann, nur damit jedes Land seinen Anteil am Kuchen bekommt."
ase/dpa/Reuters