Airline-Krise Lufthansa weitet Einstellungsstopp aus
Frankfurt am Main - Die Lufthansa steht nach eigenen Angaben weiter unter Kostendruck. Entsprechend weitet der Konzern den bereits bestehenden Einstellungsstopp aus. "Es gibt bei der Lufthansa Passage nun auch einen Einstellungsstopp für die operativen Bereiche, nicht mehr nur für die Administration", sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Zudem bereite sich das Unternehmen auf weitere Kapazitätsanpassungen für die Jahre 2008 und 2009 vor.
Trotz eines strikten Kostenmanagements werde der Bereich Flugreisen im laufenden Jahr voraussichtlich das Ergebnis des Vorjahres nicht erreichen, heißt es zudem im Halbjahresbericht der Gesellschaft. Vor allem die Kerosinkosten belasten. Der Treibstoff ist bei der Fluggesellschaft mittlerweile der weitaus größte Ausgabeposten. Im ersten Halbjahr legte der Aufwand für Kerosin um knapp 50 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu.
Auch der laufende Streik des Bodenpersonals belastet die Bilanz. Während die Gewerkschaft Ver.di für rund 50.000 Lufthansa-Beschäftigte am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld fordert, hat das Unternehmen zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Lohn bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten. Nach Einschätzung von Analysten kostet der Ausstand die Lufthansa täglich rund fünf Millionen Euro. Die Airline selbst wollte die Belastungen des Arbeitskampfs nicht beziffern.
Ein Ende des Tarifkonflikts mit der Gewerkschaft Ver.di, die für die Mitarbeiter eine deutliche Gehaltssteigerung fordert, ist nicht in Sicht. Wie das Unternehmen in Frankfurt mitteilte, werden am heutigen Mittwoch acht Interkontinentalverbindungen gestrichen. Zusätzlich fallen wie schon am gestrigen Dienstag rund 70 Kurzstreckenflüge aus, weil weiterhin neun Maschinen nicht gewartet werden können und am Boden bleiben müssen.
Inzwischen hat die Gewerkschaft Ver.di den Streik auch auf den Stuttgarter Flughafen ausgedehnt. Fast alle Mitarbeiter der Nachtschicht hätten sich an dem Ausstand beteiligt, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft. Laut Ver.di werden die Auswirkungen von Tag zu Tag zunehmen. An den Streiks beteiligten sich an den ersten beiden Tagen jeweils rund 5000 Mitarbeiter, vor allem bei der Lufthansa-Technik und im Catering.
Am stärksten betroffen sind Reisende in Frankfurt. Ein Großteil der insgesamt 78 Ausfälle stünden mit dem Frankfurter Flughafen in Verbindung, teilte die Lufthansa mit. Betroffen sind im Langstreckenbereich Flüge von Frankfurt nach New York, Calgary in Kanada und Kalkutta in Indien sowie die jeweiligen Rückflüge. Da aber alle Ziele mehrmals täglich angeflogen werden, gebe es keinen Zielort, der heute nicht erreicht würde, hieß es weiter.
suc/dpa-AFX/Reuters