Airline-Sparplan: Beinfreiheit war gestern - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Airline-Sparplan Beinfreiheit war gestern

Erst kürzte die weltgrößte Fluglinie American Airlines die Gehälter ihrer Mitarbeiter, nun sollen die Fluggäste auf Bequemlichkeit verzichten: Damit mehr Tickets verkauft werden können, stehen die Sitze auf vielen Flügen bald deutlich enger beieinander.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fort Worth - Erst vor kurzem hatte American Airlines mit dem Argument der "Extra-Beinfreiheit" eine groß angelegte Werbekampagne gefahren. Nun soll der Platz zwischen den Sitzreihen teilweise deutlich verringert werden. Um Kosten zu sparen, will der vom Bankrott bedrohte Konzern in mehr als 170 ihrer über 700 Flugzeuge zwei zusätzliche Sitzreihen einbauen lassen.

American-Passagiere sitzen in den betroffenen Maschinen damit wieder so eng beieinander wie im Branchenschnitt üblich. Betrug der Abstand zwischen Sitzreihen bei American zuvor zwischen 83 und 88 Zentimeter, sind es bei den umgebauten Jets nun 78 bis 81 Zentimeter. Bei der Billigfluglinie Ryanair stehen die Sitze 76,2 Zentimeter voneinander entfernt.

Mit Sparmaßnahmen wie diesen will Gerard Arpey, erst seit vergangenem Monat neuer Konzernchef, American wieder in die Gewinnzone zurückführen. Noch in der letzten Woche hatte Apery erklärt, dass der Bankrott drohe, nachdem die Fluggesellschaft im ersten Geschäftsquartal mehr als eine Milliarde Dollar Verlust gemacht hat.

Auf der Hauptversammlung stießen Arpeys Sparpläne auf ein positives Echo. Viele Aktionäre monierten aber, dass American mehr brauche als nur mehr Sitze in den Flugzeugen. Seit 2001 hat die American-Holding AMR insgesamt Verluste von 6,2 Milliarden Dollar angehäuft.

Nun muss AMR sich bemühen, die an Komfort gewohnte Kundschaft zu beruhigen. Ein Sprecher stellte klar, die Platz-Verknappung solle nur bei bestimmten Routen gelten, auf denen ohnehin zu Billigtarifen verkehrt werde. In der Ersten Klasse und auf Strecken, die vorrangig von Geschäftsleuten genutzten werden, würde es selbstverständlich keine Änderungen geben.

Auf eines legen die Sprecher wert: Obwohl die Passagiere zusammenrücken, haben sie weiterhin mehr Platz als beim Hauptkonkurrenten United Airlines.