Airlines Lufthansa lacht am längsten
München/Luton - Am Nachmittag lenkte die Piloten-Vereinigung doch noch ein: Die Deutsche BA (DBA) und die Piloten-Vereinigung Cockpit gaben bekannt, am Mittwoch wollten beide Seiten abermals verhandeln. Auf der Agenda steht die künftige Tarifstruktur der zweitgrößten Linienfluggesellschaft Deutschlands.
Für die DBA dürfte der Ausgang der Gespräche über Leben oder Tod entscheiden. Denn die Discount-Airline easyJet könnte die lange geplante Übernahme der British-Airways-Tochter DBA abblasen, falls Cockpit nicht zu weiteren Konzessionen bereit ist. Die DBA, die seit Gründung 1992 nur Verluste schrieb, stünde dann wohl vor dem Aus. Weitere Finanzhilfen vom Mutterkonzern BA jedenfalls sind kaum zu erwarten.
Cockpit am Pranger
Offiziell wies easyJet Berichte über ein mögliches Scheitern der Übernahme zurück. Wie angekündigt werde eine Entscheidung erst Ende März fallen, sagte ein Sprecher. Zwar werde am Freitag das Board of Directors über die 40-Millionen-Euro-Akquisition beraten, sich dabei vermutlich aber nicht festlegen. BA-Chef Rod Eddington wiederum sagte, er bleibe zuversichtlich, dass easyjet die DBA übernimmt. Sollte dies nicht geschehen, blieben BA eine Reihe anderer Möglichkeiten. Welche das seien könnten, sagte Eddington nicht.
Klar erscheint indes, dass die easyJet-Manager langsam die Geduld verlieren. DBA-Sprecherin Antje Urban jedenfalls bestätigte, dass easyJet die Verhandlungen zeitweilig abgebrochen hatte. Dass dieser Bruch öffentlich wurde, hat Cockpit offenbar bewegt, es erneut zu versuchen. Ansonsten würde die Piloten-Vereinigung riskieren, als Spielverderber dazustehen, der die Übernahme sabotiert hat.
"Wir verstehen die Aufregung nicht"
Bei der DBA jedenfalls formiert sich offenkundig Widerstand gegen die bisherige Verhandlungstaktik der Cockpit-Vertreter. Urban bestätigte, dass eine Gruppe von Piloten in einem Schreiben an die Belegschaft harsche Kritik an der Vereinigung übe: "Die Piloten sehen sie ihre Arbeitsplätze gefährdet und dringen auf eine Einigung".
Es sei offensichtlich, "dass die Mehrheit der Piloten für den easyjet-Deal ist, nur so ist das Fortbestehen der DBA wirklich gewährleistet". Durch eine leistungsabhängige Bezahlung würden bis zu 90 Prozent der Piloten sogar mehr verdienen als bisher, so Urban. Cockpit-Vertreter wiesen die Vorwürfe zurück. "Wir verstehen die Aufregung nicht", sagte Sprecher Georg Fongern dem "Tagesspiegel".
"Es sind schlechte Zahlen, die wir jetzt erwarten"
Die Deutsche BA hatte unter dem früheren Chef Adrian Hunt im Frühjahr 2002 einen Strategiewechsel vollzogen und die Umwandlung zum Billigflieger begonnen. Der Ticket-Verkauf stieg in den Folgemonaten deutlich an. Dieser Anstieg der Auslastung konnte aber nicht kompensieren, dass die Umsätze wegen der niedrigeren Preise fielen. Nachdem Hunt zur Jahreswende in den Ruhestand ging, hat sein Nachfolger die Kapazität ausgedünnt und für Februar und März 500 Flüge gestrichen. Besonders die neuen Billigangebote der Lufthansa setzen DBA zu. Urban sagte, der Jahresverlust könne sich deshalb verdreifachen. "Es sind schlechte Zahlen, die wir jetzt erwarten", sagte sie, nannte aber keine genauen Summen.
EasyJet-Chef Ray Webster hatte wiederholt betont, er halte Deutschland für strategisch wichtig und chancenreich. Bisher bietet sein Unternehmen über die gekaufte Fluglinie Go lediglich Flüge von London nach München an, aber keine innerdeutschen Verbindungen. Scheitert die DBA-Übernahme, bleibt der hiesige Markt den Briten wohl weitgehend verschlossen. Das wäre auch ein Triumph für die Lufthansa: Nachdem schon der Billigflieger Ryanair von Plänen abgerückt ist, innerdeutsch zu fliegen, hätte sie mit eigenen Tarifsenkungen und durch die Gründung des Ablegers GermanWings ein systematisches Vordringen der Discount-Riesen auf ihren Heimatmarkt erfolgreich abgeblockt.