Aktien Experten warnen vor Panikverkäufen
Frankfurt am Main/Saarbrücken - "In der Regel rechnet es sich für Privatanleger nicht, wenn man in Panik verfällt und große Verluste realisiert", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Vor allem bei etablierten und grundsätzlich gesunden Unternehmen sei Abwarten bei Kurseinbrüchen oft die beste Strategie. Sein Kollege Klaus Nieding riet sogar zum Nachkaufen einiger guter Werte: "Ich kaufe meinen Wintermantel ja auch im Schlussverkauf, und nicht wenn er am teuersten ist."
Die Kursstürze seien eine Rückkehr zur Normalität, sagen die Aktionärsschützer unisono. "Es war völlig anomal, dass sich zum Beispiel am Neuen Markt innerhalb von ganz kurzer Zeit die Werte verdrei- oder vervierfacht haben", sagte Anneliese Hieke vom Verband Aktionärinnen im Saarländischen Rundfunk. "So schnell steigen ja auch nicht die Unternehmensgewinne."
Laut Kurz ist ein Ende des Technikbooms nicht in Sicht, auch wenn möglicherweise in den nächsten Monaten hier schwächere Kurse zu verzeichnen seien. Zwar werde es für einzelne Unternehmen "schwer werden, ihre Kursverluste wieder aufzuholen". Große Dax-Werte lägen trotz jüngster Einbußen aber noch "deutlich über dem Kurs vom vergangenen Jahr". In der Computerbranche gehe es immer wieder hinauf und hinunter, sagte Kurz. Siemens beispielsweise sei grundsätzlich gut aufgestellt und habe wie andere Unternehmen aus diesem Bereich stark unter der Gewinnwarnung des US-Computerbauers Dell gelitten.
Privatanleger seien während der Verkaufswelle relativ ruhig geblieben, sagte Kurz. Zwar seien unter den privaten Aktienbesitzern derzeit "sicher nicht alle glücklich, aber die wenigsten neigen zu Panikattacken". Angesichts der starken Kurseinbrüche innerhalb sehr kurzer Zeit liege die Vermutung nahe, "dass die großen und institutionellen Anleger den Markt bewegen". Die Manager der großen Aktienfonds stünden im Gegensatz zu den Privatanlegern unter großem Druck, schnell zu reagieren, erklärte Kurz. Viele seien derzeit von den "wunderbaren Zahlen" des vergangenen Jahres weit entfernt.