Aktien-Gezerre: Kirch wischt Bankern eins aus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Aktien-Gezerre Kirch wischt Bankern eins aus

Im Streit um seine Springer-Aktien hat Leo Kirch überraschend eine Atempause gewonnen: Er bekommt eine neue Frist, um einen Millionen-Kredit an die Deutsche Bank zurückzuzahlen. Gelingt ihm dies, schauen die Banker in die Röhre.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Nach einer gut vierstündigen Verhandlung einigten sich Kirchs Anwälte mit der Deutschen Bank auf einen Vergleich. Demnach darf die Bank frühestens am 30. August über die 40-prozentige Beteiligung am Axel Springer Verlag verfügen, die bisher der KirchGruppe gehört.

Kirch hatte den Erlass einer Einstweiligen Verfügung beantragt. Ursprünglich wollte er damit erreichen, dass die Bank frühestens am 11. September von ihrem Pfandrecht Gebrauch machen darf, das sie an dem Springer-Paket hält. Dass der Termin laut Vergleich nun nahe am angestrebten Termin liegt, werteten die Anwälte Kirchs als großen Erfolg.

Die KirchGruppe hat jetzt die Möglichkeit, bis Ende August über das Paket zu verfügen und den fraglichen Kredit bei der Deutschen Bank in Höhe von 720 Millionen Euro zu tilgen. Falls dies nicht gelingt, fällt das Paket wieder der Deutschen Bank zu. In dem Vergleich verpflichtete sich Kirch im Gegenzug, die Pfandrechte der Bank nicht in Frage zu stellen und das Institut bei einer möglichen Verwertung ab September nicht zu behindern. "Wir haben den großen Vorteil, dass wir jetzt wissen, dass keine Behinderung erfolgen wird" sagte dazu ein Rechtsanwalt der Deutschen Bank.

Nach Einschätzung der Anwälte der Deutschen Bank wird Kirch versuchen, das Paket nun zu einem höheren Preis zu verkaufen und den Kredit zu tilgen. Der Deutschen Bank und ihrem Chef Josef Ackermann entgingen damit vermutlich Gebühren in Millionenhöhe. Die Bank plant, die Springer-Aktien im Herbst breit an der Börse zu platzieren. Dies wäre in Deutschland voraussichtlich der größte Börsengang des Jahres.

Bei den Vorbereitungen für den Börsengang war die Deutsche Bank trotz des Rechtsstreits zuletzt deutlich voran gekommen. Nach wochenlangen Verhandlungen stimmten die drei Banken, die Kirchs Formel 1-Einstieg mit Krediten finanziert hatten, den Börsen-Plänen Medienberichten zufolge zu. Der Bankenstreit hatte sich daran entzündet, dass mit der Springer-Beteiligung sowohl der Kredit der Deutschen Bank besichert als auch nachrangige Verbindlichkeiten Kirchs bei der Bayerischen Landesbank, Lehman Brothers und JP Morgan Chase gesichert waren.

Der Kredit der Deutschen Bank war im Mai fällig geworden und konnte nicht rechtzeitig getilgt werden. Daher fiel der Bank das Recht für den Verkauf zu. Die drei "Formel 1-Banken" mussten den Plänen der Bank wegen ihres zweitrangigen Pfandrechts zustimmen. Den drei Kreditinstituten würde im Falle eines Börsengangs der Erlös zustehen, der über die 720 Millionen Euro hinausgeht. Da das Paket derzeit nur rund 800 Millionen Euro wert ist, wäre für das Banken-Trio kaum etwas übrig geblieben.

Kirch wirft der Deutschen Bank unter anderem Aussagen ihres früheren Vorstandschefs Rolf Breuer über die zweifelhafte Kreditwürdigkeit Kirchs vor. Mit diesen Aussagen habe die Deutsche Bank die Insolvenz seines Kerngeschäfts ausgelöst, um letztlich selbst davon zu profitieren. Leo Kirch hatte außerdem auch Strafanzeige gegen Breuer gestellt und fordert zudem Schadenersatz. Der Streitwert für die Zivilklage wurde auf 100 Millionen Euro festgesetzt.

Die 40-prozentige Beteiligung am Axel Springer Verlag gilt als ein Filetstück der KirchGruppe. In dem weit verschachtelten Konzern gehört sie zur KirchBeteiligungen, die als einzige der drei wichtigen Kirch-Bereiche bislang keinen Insolvenzantrag gestellt hat.