Aktien-Skandal Ex-Comverse-Chef spurlos verschwunden
Hamburg/New York - Über Kobi Alexanders Privatleben ist wenig bekannt, über seinen unternehmerischen Erfolg dafür umso mehr. Immer wieder tauchte der Name Jacob "Kobi" Alexander in den vergangenen zehn Jahren in Wirtschaftsrankings auf. Zum Unternehmer des Jahres kürte ihn die "Long Island Business News" 2001. Sein Name stand zehn Jahre ununterbrochen auf der Liste der zehn bestbezahlten Männer in New York. Als Geschäftsmann mit Visionen beschrieben ihn die Medien, als überaus ehrgeizig und zielstrebig. Kobi Alexander, der Mann, der seine Lebensversicherung für die Firmengründung einsetzte.
Nun ist er also verschwunden. Und keiner scheint etwas zu wissen. Vor zwei Wochen habe er das letzte Mal mit Kobi Alexander telefoniert, berichtet dessen Anwalt Robert Morvillo. Da sei sein Klient in Israel gewesen. Ist er dort untergetaucht? Man weiß es nicht. Das FBI hat sich nun an seine Fersen geheftet.
Dabei begann alles so gut für den Vorzeige-Unternehmer: Schon während seines Wirtschaftsstudiums in Jerusalem fiel der heute 54-Jährige auf seinen Bachelorabschluss bestand er mit Auszeichnung. Mit Auszeichnung schloss er auch seinen Dienst bei der israelischen Armee ab. Nach seiner Armeezeit zog es ihn über den Atlantik, nach New York City, wo er tagsüber als Investment Banker bei Shearson Lehman arbeitete und abends seinen Master of Business in Finance machte. Kobi Alexander hatte große Ziele.
1984 gründete Kobi Alexander zusammen mit dem Ingenieur Boaz Misholi Comverse Technology das Unternehmen, das zu einem der größten Anbieter von ESP-Software aufsteigen sollte. Auf Messaging-Dienste für Telekom und Internetprovider hat sich die Firma spezialisiert. Von Anfang an ging es steil bergauf. Was als kleine Zwei-Mann-Firma begann, ist heute ein weltweit agierendes Nasdaq-notiertes 373-Millionen-Dollar-Umsatz-Unternehmen mit 5000 Mitarbeitern. Besonders seinem Führungsstil sei der Comverse-Erfolg zu verdanken, konnte man immer wieder in der amerikanischen Presse lesen. Begeisternd nannte man ihn, mitreißend. Allgemein bekannt war, dass er aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen war, Innovationen unterstützte. Die Eigenständigkeit von Tochterfirmen zu fördern, Verantwortlichkeiten zu übertragen galt als "typisch Comverse" und als Schlüssel zum Erfolg. Kobi Alexander war ganz oben.
Und dann der tiefe Fall. Im März deckte das Wall Street Journal ungewöhnliche Finanztricks und Rückdatierungen von Aktienoptionen bei mehr als einem Dutzend US-Unternehmen auf. Darunter auch Comverse. Merkwürdige Zufälle will das "Wall Street Journal" festgestellt haben: Am 15. Juli 1996 habe Kobi Alexander Aktienoptionen erhalten ausgerechnet an dem Tag, als die Firmenanteile deutlich an Wert verloren hatten. Aber schon einen Tag wieder erholte sich die Aktie vom Kurseinbruch. Mehrmals soll sich das wiederholt haben, so die Experten vom "Wall Street Journal".
Seit April ermittelt die Wertpapieraufsichtsbehörde, ob und wie sich die Manager auf Kosten der Aktionäre bereicherten. Vergangene Woche schließlich wurde gegen Kobi Alexander, der im Mai als Comverse-Chef zurücktrat, und zwei weiteren Ex-Comverse-Manager Anzeige erstattet. Mehr als ein Jahrzehnt sollen sie, so die Staatsanwaltschaft, Aktienoptionen systematisch zurückdatiert haben. Eine "Optionen-Schmierkasse" soll es gar gegeben haben. Das Justizministerium sagt, Alexander habe 60 Millionen Dollar auf ein Konto in Israel transferiert, "um Vorgänge vor den Behörden zu verbergen". Was auf Alexander zukommen könnte, zeigt der Fall Gregory Reyes: Dem früheren Brocade-Chef drohen für ähnliche Vergehen bis zu 20 Jahre Haft und fünf Millionen Dollar Geldstrafe.