Aktienaffäre Vorstand der NordLB gibt Posten auf
Hannover - Fehlgeschlagene Aktiengeschäfte kommen die NordLB teuer zu stehen: Wegen der Unregelmäßigkeiten in ihrem Aktienhandel 2008 rechnet das Geldhaus mit weiteren Belastungen. "Für das laufende Jahr ergeben sich nach aktuellem Stand weitere mögliche Bewertungsverluste in Höhe von 50,4 Millionen Euro", teilte die NordLB mit. Der verantwortliche Vorstand zieht daraus nun Konsequenzen.
Der zuständige Vorstand Jürgen Kösters habe den Aufsichtsrat gebeten, von seinen Pflichten mit Wirkung zum 31. März entbunden zu werden, teilte die Bank mit. Zuvor waren zwei Aktienhändler und ein Generalbevollmächtigter entlassen worden. Die Bank kündigte an, ihre Kontrollmechanismen zu verfeinern.
Die Händler hatten im Auftrag eines Kunden - in Finanzkreisen wird die Investmentfirma Vatas genannt - große Aktienpakete verschiedener Unternehmen zum Kaufpreis von insgesamt 234 Millionen Euro erworben, die der Kunde nicht abnahm. Die Bank blieb auf den Aktien sitzen, etwa vom Handyzulieferer Balda und dem Klinikbetreiber Curanum .
Nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten seien bereits 2007 Rückstellungen in Höhe von 82,5 Millionen Euro gebildet worden. "Die Bank hat jedoch keinerlei Verkaufsdruck, sondern wird die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten beobachten", teilte die NordLB mit.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFIN) hat angekündigt, die Vorgänge in einer Sonderprüfung zu untersuchen. Die NordLB wolle ihrerseits die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) einzuschalten. Die Bank geht weiter davon aus, den Kunden noch in die Pflicht nehmen zu können.
Am Donnerstag will sich der Landtagsfinanzausschuss über die Vorkommnisse unterrichten lassen. Die SPD-Fraktion forderte eine umfassende Aufklärung - auch über die Rolle des NordLB- Aufsichtsratschefs, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU).
sil/Reuters/dpa-AFX