Aktienanlage Die Dividenden-Könige
Das Papier des fusionsgeplagten Autobauers ist derzeit für rund 35 Euro zu haben und wird im Mai 1,50 Euro Dividende pro Anteilsschein ausschütten, sofern die Hauptversammlung dem Vorschlag des Unternehmens zustimmt. Mit einer Dividendenrendite von etwas mehr als vier Prozent ist DaimlerChrysler damit der aktuelle Dividendenkönig im Dax.
Die Rechnung geht freilich nur auf, wenn der Kurs der Aktie nicht noch weiter absackt und die Patienten Chrysler und Mitsubishi endlich den Weg der Besserung finden. Steigende Gewinne sind die Voraussetzung für eine stabile oder steigende Dividende in den kommenden Jahren. Ein Konzern, der hohe Dividenden aus seinen Rücklagen zahlt, um Aktionäre trotz schlechter Geschäftsentwicklung zu trösten, geht eine riskante Wette ein.
Dass man als Dividendenjäger auch ins Leere laufen kann, hat in dieser Woche die Lufthansa bewiesen. Die Airline strich auf Grund hoher Sonderabschreibungen kurzerhand ihre Auszahlung für das abgelaufene Geschäftsjahr 2003. Aktionäre, die auf eine Dividende wie im Vorjahr (0,60 Euro) und damit auf eine Rendite von rund vier Prozent gewettet hatten, schauen in die Röhre.
Die Dividendenkönige im Dax
Dennoch lohnt der Blick auf die Dividendenentwicklung im Dax, wie eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg beweist. Knapp die Hälfte der Dax-Konzerne dürfte ihre Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr, die überwiegend zwischen Mai und August ausgezahlt wird, erhöhen. Bei 13 Konzernen rechnen die Experten der LBBW mit einer höheren Ausschüttung - bei Konzernen wie RWE, Deutsche Bank und Deutsche Börse steigt sie sogar um mehr als zehn Prozent.
Telekom: Nur noch eine Nullnummer ist erlaubt
Nullnummern - alte und neue
Andere Titel locken Anleger mit Kursfantasie statt mit Dividende. Die Deutsche Telekom , der Chiphersteller Infineon und die HypoVereinsbank dürften ihre Null-Diät aus dem Vorjahr fortführen und auch für das Jahr 2003 auf eine Ausschüttung verzichten.
Daran nehmen sich auch die Deutsche Lufthansa und die Commerzbank ein Beispiel. Die beiden Unternehmen hatten im Vorjahr noch eine Dividende gezahlt, eine Auszahlung für dieses Jahr aber gestrichen. Als weiterer Dividendenkiller fällt Volkswagen auf, die ihre Dividende je Stammaktie um 20 Prozent auf 1,05 Euro kürzen.
Dividendensumme steigt um sechs Prozent
Damit zahlen lediglich drei Dax-Konzerne für das Jahr 2003 weniger aus als im Vorjahr, während 13 Unternehmen ihre Ausschüttung erhöhen und 14 Unternehmen auf Vorjahresniveau verbleiben. Die durchschnittliche Dividendenrendite im Dax beträgt derzeit rund 2 Prozent.
"Von vielen Wachstumstiteln wird erwartet, dass sie ihre Gewinne wieder investieren und nicht an die Aktionäre ausschütten", erläutert Frank Schallenberger, Aktienmarktstratege der LBBW, im Gespräch mit manager-magazin.de. Im Fall Deutsche Telekom bleibe Aktionären immerhin die Hoffnung, dass der Konzern nach zwei Jahren Null-Diät im kommenden Jahr wieder eine Dividende zahlen wird. Für entsprechenden Druck werde der notorisch klamme Großaktionär Bund schon sorgen.
T-Aktionäre auf 2005 vertröstet
Die Analysten der LBBW gehen davon aus, dass im kommenden Jahr von der Deutschen Telekom 0,35 Euro je T-Aktie für das Geschäftsjahr 2004 ausgeschüttet werden. Damit würde die Deutsche Telekom rund 1,5 Milliarden Euro ausschütten und in absoluten Zahlen mit dem derzeit größten Dividendenzahler DaimlerChrysler gleichziehen.
Zu den Werten im Dax, die in diesem Jahr das meiste Geld an ihre Aktionäre zahlen, gehören DaimlerChrysler (1,5 Milliarden Euro), Eon (1,3 Milliarden), Siemens (980 Millionen), Deutsche Bank (872 Millionen) und BASF (798 Millionen). Insgesamt dürften die 30 Dax-Unternehmen in diesem Jahr rund 10,5 Milliarden Euro an ihre Aktionäre auszahlen, schätzt die LBBW.
Damit steigt die Dividendensumme im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs Prozent - von der Rekordausschüttung des Jahres 2001, als knapp 16 Milliarden Euro ausgezahlt wurden, bleibe man aber noch weit entfernt, betont Schallenberger.
Spendable Italiener - Euro Stoxx hängt Dax ab
Spendable Italiener: Euro Stoxx 50 hängt Dax ab
Mit einer Dividendenrendite von rund zwei Prozent bleibt der Dax jedoch hinter dem europäischen Durchschnitt zurück. In Europa und dem Euro-Raum beträgt die durchschnittliche Dividendenrendite rund 2,5 Prozent, wie aus einer Studie der Deutschen Bank hervorgeht. Italien (4,4 Prozent) und Großbritannien (3,0 Prozent) liegen hier an der Spitze.
"Besonders die italienischen Versorger wie Eni oder Enel sind sehr dividendenstark", erläutert Schallenberger. Enel schafft es in diesem Jahr eine Dividendenrendite von knapp sechs Prozent, und Eni bringt es auf 4,8 Prozent. Nach Berechnungen der LBBW werden rund 25 Unternehmen und damit genau die Hälfte der im Euro Stoxx 50 gelisteten Gesellschaften in diesem Jahr eine höhere Dividende auszahlen. Neben Eni und Enel zählen auch die Finanzkonzerne ABN Amro und ING zu den europäischen Dividendenkönigen.
Drei Ölkonzerne zahlen so viel wie 30 Dax-Konzerne
Allein die drei größten im Euro Stoxx 50 gelisteten Ölgesellschaften - Royal Dutch , Total Fina Elf und Eni - werden in diesem Jahr fast so viel Dividende ausschütten wie alle 30 im Dax gelisteten Unternehmen zusammen. Insgesamt schütten die im europäischen Leitindex gelisteten 50 Unternehmen knapp 50 Milliarden Euro Dividende aus, während es die 30 deutschen Unternehmen auf rund zehn Milliarden Euro bringen.
Verlässlichkeit zählt
Doch hohe Ausschüttungen allein helfen nicht weiter. "Hohe Auszahlungen in der Vergangenheit sind noch kein Garant dafür, dass diese Zahlungen auch in Zukunft geleistet werden", betont Schallenberger. Wird die Dividende im Folgejahr gekürzt oder gestrichen, wird nicht nur die Renditenkalkulation hinfällig. Hinzu kommen häufig Kursverluste der Aktie.
Dividendenjäger sind daher auf der Suche nach "verlässlichen" Titeln: Die LBBW hat ein Scoringmodell entwickelt, um diejenigen Titel herauszufiltern, die sowohl eine attraktive wie auch eine verlässliche Dividende zahlen. Dabei wird nicht nur die Höhe der der gezahlten Dividende berücksichtigt, sondern auch die Dividendenpolitik der Unternehmen seit 1992. Wichtig ist auch die Dividendendeckung: Unternehmen, die ihre Dividende aus der Substanz bezahlen, erhalten weniger Punkte als solche, die ausreichend Reserven für eine kontinuierliche Dividendenzahlung halten.
Die Top-Scorer im Dax und Euro Stoxx
Die Top-Scorer in Dax und Euro Stoxx
Zu den Top-Scorern im Euro Stoxx 50 zählen nach dem Modell der LBBW die niederländischen Banken ABN Amro und ING , der Finanzdienstleister Fortis sowie die spanischen Versorger Iberdrola und Endesa . ABN Amro erzielte den Spitzenplatz, weil das Unternehmen seine Aktionäre seit 1992 mit zehn Dividendenerhöhungen verwöhnt hat.
Eon biete aktuell zwar eine geringere Dividendenrendite als DaimlerChrysler oder Tui , so Schallenberger. Dennoch hat der Versorger seit 1992 seine Dividende elf Mal erhöht: Eine drastische Dividendenkürzung wie in diesem Jahr bei der Lufthansa scheint vor diesem Hintergrund extrem unwahrscheinlich.
Heftige Turbulenzen wie in der Luftfahrtbranche seien im Versorgersektor ohnehin nicht zu erwarten, so dass Versorgertitel in Deutschland wie in Europa zu den attraktivsten Dividendenwerten zählen. Wer europäisch denkt, kann auch noch den einen oder anderen Finanzwert dazumischen: Mit besten Grüßen aus Holland.