Aktienfonds Weg mit der "Riester-Rente"
Frankfurt am Main - Wenn Großbanken wie die Deutsche Bank in diesen Tagen lautstark über Umstrukturierungen, Umzüge und Stellenabbau debattieren, dann geht das Heulen eines anderen wichtigen Zweiges der Finanzwelt fast unter. Die Fondsbranche hatte 2001 ein mieses Jahr. Zwar nahm sie 80,6 Milliarden Euro neues Anlagekapital ein. Das sind aber 27 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Grund: vorsichtige Anleger.
Außerdem liegen mit insgesamt 918,6 Milliarden Euro insgesamt fast 14 Milliarden weniger auf den Konten der hiesigen Fondsverwalter als Ende 2000. Heißt: Fast 95 Milliarden Euro Fondsgelder sind an den Börsen den Bach runtergegangen. Das bedeutet bei durchschnittlich 0,75 Prozent Verwaltungsgebühr für die Gesellschaften 750 Millionen Euro weniger Umsatz. Das ist eine Menge Holz - und führt zu drastischen Kosteneinsparungen bei den Fondsgesellschaften und einer Konsolidierung der Branche.
Als sei alles bestens schwärmt der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI), Horst Zirener, dennoch wortreich von einem "komfortablen Niveau" und einem "Jahrgang mit Prädikat". So redet, wer zufrieden, satt und müde ist. Nun, Herrn Zirener kann die Flaute seiner Branche auch wurscht sein, er tritt bald ab. Seine Nachfolger und auch die Wettbewerber aber müssen sich dringend etwas einfallen lassen, um das Geschäft wieder anzukurbeln. Zurücklehnen und auf bessere Börsenzeiten hoffen wird nicht reichen.
Riester soll's richten
Da reden viele Fondsmacher in diesen Tagen offiziell gerne von den großen Chancen der Riester-Rente. Mit ihr werde wieder alles besser. Milliarden und Abermilliarden neuer Anlagegelder würden in die Fonds-Töpfe fließen. Hinter vorgehaltener Hand aber verteufeln die Geldverwalter die Banalität aus Berlin: Mini-Beträge fließen - mit großem Verwaltungsaufwand für die Fondsgesellschaften - in ein ziemlich kompliziertes Finanzprodukt. Doch statt die Altersvorsorge-Debatte nun mit wirklich guten Produkten für sich zu nutzen, klammert sich die Finanzindustrie - politisch korrekt - trotzdem an Riesters Langeweiler-Rente und preist sie zähneknirschend an.
Ich verzichte an dieser Stelle darauf, das staatlich geförderte Sparen noch mal zu erklären. Zeitungen und Zeitschriften sind voll davon - und trotzdem hat irgendwie keiner Lust auf den Sparplan, der bei Kleckereinzahlungen (anfänglich ein Prozent vom Bruttolohn) Mini-Zuschüsse vom Staat gewährt. Unabhängig davon, dass dieses Produkt viel zu kleinkariert, kompliziert und überhaupt nicht der große Durchbruch hin zur privaten Altersvorsorge ist, hat die Malaise einen meiner Ansicht nach viel simpleren Grund: der ungelenke Name "Riester-Rente".
Dröger Namensgeber
Wie kann man eigentlich darauf kommen, nur deshalb ein Anlageprodukt nach einem Minister zu benennen, weil der qua Amt dafür zuständig ist? Dem ohnehin schon drögen Begriff Rente (Vorsorge ist auch nicht besser) wird der Name eines noch viel drögeren Ministers vorangestellt. Das kann nicht gut gehen. Tritt Riester wegen der Auftrags-Affäre vielleicht deshalb nicht zurück, weil erst einmal die Rente mit seinem Namen eingeführt werden muss? Und wie soll das Ding mal in fünf oder zehn Jahren heißen, wenn ganz andere Arbeitsminister das Sagen haben: Glos-Rente? Oder gar Westerwelle-Rente?
Noch sind nicht viele "Riester-Renten"-Sparverträge ans Anlegervolk verkauft. Darum mein Appell an Versicherungen, Banken und Fondsanbieter: Benennt das Ding um! Lasst euch was einfallen! Dafür werden Hunderte von Marketing- und Produktmanagern in der Geldwelt ziemlich gut bezahlt. Meine Favoriten-Namen behalte ich darum an dieser Stelle auch für mich.
Mit einem neuen Namen allein ist es aber nicht getan. Die Fondsanbieter sollten endlich damit aufhören, dieses komplizierte und sowieso nur mit unattraktiven Steuervorteilen und mickrigen Zulagen versehene Produkt für die private Altersvorsorge zu pushen. Sie sollten sich auf das berufen, was seit Jahren als beste Altersvorsorge überhaupt gilt: Aktienfonds, am besten weltweit ausgerichtet. Die bringen über 10 oder 20 Jahre sowieso viel mehr als jeder Riester-Rohrkrepierer, dessen Rendite von vorne herein gebremst wird, weil ja die Vollkasko-Deutschen auch noch gegen mögliche Verluste an der Börse abgesichert werden müssen. Habt Mut, Fonds-Anbieter, und setzt auf das Motto "Back to the Roots", holt die Sparplan-Klassiker hervor - statt politisch korrekt die Staats-Privat-Rente zu bewerben. Ein guter Aktienfonds ohne Steuerbonbon ist besser als eine völlig verkorkste Riester-Rente mit Zulage.
Nachschlag: Irgendwie lässt mich der Gedanke ja doch nicht los, Namen von Ministern für Dinge des Alltags zu verwenden. Was bei Riester und Rente nicht so klappt, funktioniert vielleicht bei anderen Regierungs-Würdenträgern. Hier einige Vorschläge, die problemlos in unseren Wortschatz zu integrieren wären:
- Künast-Kuh - für das absolut BSE-freie Rind.
- Fischer-Friends - für Freunde aus vergangenen wilden Tagen, mit denen man heute nichts mehr zu tun haben will.
- Eichel-Eimer - für Behälter, deren Löcher wirklich nicht mehr zu stopfen sind.
- Müller-Machtwort - für eine Zustimmung zu wichtigen Firmenübernahmen (etwa Eon/Ruhrgas), die man als Pensionsbezieher des Übernehmers nicht geben sollte.
- Schily-Schutzprogramm - für die garantierte Offenlegung von V-Leuten, die eigentlich geheim bleiben sollen.
- Scharping-Schmusi - für Frauen, die liebestollen Mitfünfzigern ihren zweiten Frühling bescheren.
- Schröder-Schampoo - für Haarwaschmittel, das selbst 57-Jährigen ein glänzendes Haupt gibt.