Aktienindizes: Porsche steigt auf - DER SPIEGEL
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Aktienindizes Porsche steigt auf

Morgan Stanley Capital International hat die Karten neu gemischt. Der führende Anbieter von Aktienindizes änderte die Gewichtung seiner Produkte. Deutschland steht jetzt insgesamt schlechter da; einzelne Werte - zum Beispiel Porsche - profitieren.
Von Annegret Loges
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - BMW, im Vorfeld als heißer Kandidat für die Aufnahme in den MSCI Europe gehandelt, litt am meisten: Am ersten Börsentag nach Bekanntgabe der neuen Index-Mitglieder verlor die Aktie bis zum Nachmittag drei Prozent. Denn BMW war, allen Erwartungen zum Trotz, nicht in die elitäre Familie aufgenommen worden. Wahrscheinlich wiegt das Aktienpaket der Familie Quandt doch zu schwer, wird vermutet.

Freudige Überraschung hingegen bei Porsche. Der Sportwagenbauer - Freefloat: 100 Prozent - erhielt einen Platz im MSCI Europe. Die Vorzugsaktie hüpfte im gleichen Zeitraum über vier Prozent nach oben. Anlass für die Neubewertung waren geänderte Regeln bei MSCI. In zwei Stufen will der Indexanbieter bis zum 31. Mai 2002 die Gewichtung von Aktien von der gesamten Marktkapitalisierung umstellen auf den so genannten Streubesitz. Es gehen also nur noch die Aktien in die Gewichtung ein, die frei handelbar sind.

Schön für Porsche. Ehemalige Staatsunternehmen wie die Deutsche Telekom oder Unternehmen mit starker Überkreuz-Beteiligung - zum Beispiel Allianz - fallen künftig weniger ins Gewicht. "Damit verliert der Euro-Raum tendenziell an Gewicht", sagt Martin Roth, Leiter Anlagestrategie bei der Dresdner Bank. In Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien befänden sich große Aktienpakete immer noch in Staatshand oder bei anderen Unternehmen.

Die Folge: Deutschland büßt in der europäischen Ländergewichtung 16 Prozent ein, Frankreich 11 und Italien 14 Prozent. Besonders die Sektoren Telekommunikation und Versicherungen verlieren. Großbritannien hingegen legt 15 Prozent zu. Prompt geriet auch der Euro unter Druck. Er verlor im Laufe des Tages rund einen halben US-Cent. Devisenhändler vermuteten, dass sich hier bereits Kapitalumschichtungen von der Euro-Zone in den Dollar-Raum auswirkten.

"Das ist ein ganz billiges Argument", urteilt jedoch Roth. Schließlich würden Fondsmanager, die Indizes abbilden oder sich nach ihnen richten, nicht an einem einzigen Tag ihr Portfolio umschichten. Im Übrigen sei die neue Gewichtung der Indizes nur ein Faktor unter vielen. Wer eine Aktie kauft, stellt sich nicht nur die Frage, ob sie in einem Index enthalten ist. "Wichtig ist, ob sie ein gutes Investment ist."