Aktionärsklage Sommer gibt sich gelassen
Mainz - In einem Interview des ZDF sagte Sommer, die Börsenprospekte seien von den bedeutendsten Kanzleien, dem Bundesfinanzministerium und Wirtschaftsprüfern erstellt worden. "Das lässt mich ruhig in diese Klage blicken", so der Telekom-Chef.
Es gehe jetzt darum, das weiterzuführen, was sich die Telekom vorgenommen habe. Den jüngsten Kursverlust kommentierte der Konzernchef: "Es bedrückt mich sehr, wenn der Kurs da ist, wo er jetzt ist." Das sei jedoch kein Problem der Telekom, sondern ein Problem des Marktes. Die gesamte Branche habe in den vergangenen Monaten gelitten.
Sommer wies im ZDF sowohl Kritik am VoiceStream-Erwerb als auch an den Immobilien-Neubewertungen zurück und bekräftigte mehrfach, dass die Telekom nicht überschuldet sei. "Wir sind ein gut durchfinanziertes Unternehmen und wir wissen, was wir verdauen können", sagte der Vorstandschef. "Wir sind nicht überschuldet. Die VoiceStream-Übernahme ist der richtige Einstieg in den US-Markt, und ich bin zuversichtlich, dass das klappen wird", fügte er hinzu.
Mit Blick auf die Immobilien-Bewertungen sagte Sommer, die Vermögensbestände seien in der Vergangenheit nicht falsch, sondern anders bewertet worden. Die Neubewertungen seien notwendig geworden, da die Telekom die Immobilien schnell und "aggressiv" veräußern wolle.
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) teilte am Dienstag in New York mit, sie erwäge eine Herabstufung der Bonität der Telekom-Schuldtitel. S&P verwies dabei auf frühere Äußerungen von Sommer, wonach die Telekom die Mobilfunktochter T-Mobile erst an die Börse bringen wolle, wenn der Markt dazu ausreichend stark sei. Diese Aussage stehe im Widerspruch mit der Mitteilung des Unternehmens an S&P, so die Ratingagentur.
Die Frage nach seinem Rücktritt, wie er jüngst von einigen Politikern gefordert worden war, beantwortete Sommer mit einem klaren "Nein". Zuvor hatte bereits Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus bekräftigt: "Der Aufsichtsrat und der Aufsichtsrats-Vorsitzende haben sich voll hinter Ron Sommer gestellt."
Am Dienstag hatte die Aktionsgemeinschaft geschädigter T-Aktionäre Strafanzeige gegen Sommer und den Unternehmensvorstand eingereicht. Sie werfen der Telekom Verschleierung, Kapitalanlagebetrug und Verstöße gegen das Börsengesetz vor. Im Mittelpunkt der Anklage steht die massive Abwertung des Telekom-Immobilienwertes um vier Milliarden Mark.
Trotz der Strafanzeige kletterte die T-Aktie im Börsenhandel am Dienstag. Bis zum Abend stieg das Papier um gut vier Prozent.