Aktionärsschützer Schrempp soll zurücktreten
Stuttgart - Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, will Schrempp direkt zur Verantwortung ziehen. "Ich denke, nach dem Desaster bei Chrysler und den Folgen für die deutschen Aktionäre müsste er sehr ernsthaft über einen Rücktritt nachdenken", sagte sie. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper müsse überlegen, ob Schrempp noch der richtige Mann an der Firmenspitze sei.
Die wahren Geschädigten der Fusion mit Chrysler seien die alten Daimler-Aktionäre, die vor zwei Jahren ein für Daimler-Benz relativ ungünstiges Verhältnis gemessen an dem wahren Chrysler-Wert hätten akzeptieren müssen, sagte Keitel. In der Folgezeit hätten diese auch noch einen Kursverfall von mehr als der Hälfte bei DaimlerChrysler verkraften müssen.
Ähnliche Kritik äußerte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der aber nicht so weit ging, einen Rücktritt Schrempps zu fordern.
Analysten erklärten, die Kerkorian-Klage setze Schrempp nach der Verlustentwicklung bei Chrysler noch weiter unter Druck. Kandidaten für eine Nachfolge Schrempps drängten sich aber nicht auf, es gebe kaum Alternativen zu dem 56-Jährigen.
Der Würzburger Wirtschaftsprofessor und Managementkritiker Ekkehard Wenger kündigte in Zeitungsinterviews an, auf der nächsten Hauptversammlung von DaimlerChrysler die Abberufung Koppers zu fordern. Wenger warf Kopper im Magazin "Stern" Versagen vor. Er sprach sich für den Wiederverkauf von Chrysler, das er einen "Schrottladen" nannte, über die Börse aus. "Wenn DaimlerChrysler auch nur eine Mark ausgeben muss, weil sich jemand nach Herrn Schrempps jüngstem Geplauder getäuscht fühlt, dann ist es Zeit für eine Organ-Haftungsklage gegen Schrempp persönlich", sagte Wenger.