Alarmierende Zahlen US-Automarkt bricht dramatisch ein
Hamburg - Autohersteller weltweit haben das Jahr 2008 mit einer düsteren Bilanz abgeschlossen. Bei General Motors (GM) brachen die Verkaufszahlen 2008 im USA-Geschäft um 23 Prozent ein, bei Ford um 20 Prozent - und bei Chrysler um 30 Prozent. Auch Frankreichs Autobauer gaben ein Absatzminus bekannt, in Japan rutschte die Zahl der Neuzulassungen auf den niedrigsten Stand seit 34 Jahren.
Autohändler (in Michigan): Dramatischer Rückgang der Verkaufszahlen
Foto: REUTERSBesonders zum Jahresende 2008 verzeichneten die US-Autobauer ein dramatisches Minus. Chrysler verkaufte in diesem Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat 53 Prozent weniger Fahrzeuge. Bei General Motors sanken die Verkäufe um 31 Prozent. Bei Ford gingen die Verkaufszahlen im selben Vergleichszeitraum für Trucks um 34 Prozent und die der Pkw um 26 Prozent zurück. Dabei fiel der Rückgang bei der schwedischen Tochtermarke Volvo mit minus 47 Prozent noch einmal kräftiger aus als der Verlust bei den zum Konzern gehörenden US-Marken Ford, Lincoln und Mercury mit einem Minus von insgesamt 31,7 Prozent.
Der gesamte US-Automarkt steht wegen der Finanz- und Konjunkturkrise vor enormen Schwierigkeiten, neben Ford kämpfen auch die anderen großen Hersteller des Landes - General Motors (GM) und Chrysler - mit schweren wirtschaftlichen Problemen. Die US-Regierung gewährt den Konzernen Notkredite.
Auch die deutschen Marken verloren in den USA drastisch. So setzte Porsche 2008 in Nordamerika 24 Prozent weniger Fahrzeuge ab. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 27.717 Fahrzeuge in die USA und nach Kanada ausgeliefert worden, teilte der Stuttgarter Sportwagenbauer am Montagabend mit. Auf die USA entfielen dabei 26.035 Autos, auf Kanada 1682 Fahrzeuge. Im Vorjahr war mit dem Verkauf von insgesamt 36.680 noch ein Rekordwert erreicht worden. Besonders betroffen von dem Rückgang waren laut Porsche die Sportwagenreihen 911 und Boxster, von denen jeweils rund ein Drittel weniger Fahrzeuge ausgeliefert wurden.
Neben der Wirtschaftskrise sei der Modellwechsel bei beiden Baureihen für den Rückgang verantwortlich gewesen. Während die neuen 911-Modelle zwischenzeitlich im Markt eingeführt wurden, stehe dies für die Mittelmotor-Modelle Boxster und Cayman im März 2009 noch bevor.
Auch Volkswagen schloss das Jahr 2008 in den USA mit einer negativen Verkaufsbilanz ab. Der Wolfsburger Konzern verkaufte auf dem weltgrößten Automarkt insgesamt 223.128 Fahrzeuge der Markte VW, 3,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, teilte Volkswagen of America am Montag mit. Besonders drastisch war der Rückgang auch hier im Dezember - die Verkaufszahlen brachen in diesem Monat um 14,4 Prozent ein.
Volkswagen hatte 2008 länger als die meisten anderen Hersteller Zuwächse in den USA verzeichnet. "Wir haben fünf neue Modelle auf den Markt gebracht, die uns erlaubten, uns gegen den wirtschaftlichen Abschwung zu stemmen, so dass unsere Verkaufszahlen nahe am Niveau von 2007 blieben", bilanzierte US-Vertriebschef Mark Barnes. 2008 sei insgesamt ein gutes Jahr für Volkswagen gewesen. VW schreibt in den USA seit Jahren Verluste.
Volkswagen-Tochter Audi setzte im vergangenen Jahr 6,1 Prozent weniger ab als 2007. Mit einem Absatz von 87.760 Fahrzeugen habe Audi aber dennoch Anteile an dem schrumpfenden US-Markt gewonnen, teilte das Unternehmen in Ingolstadt mit. Das Minus im Dezember betrug bei Audi 9,3 Prozent.
Drastisch verlor Daimler auf dem US-Markt im Dezember: Die Stuttgarter setzten mit 20.848 Fahrzeugen 23,5 Prozent weniger ab. Auf das Gesamtjahr gesehen hat sich der Hersteller mit den Marken Mercedes-Benz und Smart jedoch noch recht gut geschlagen: Insgesamt 249.750 verkaufte Autos in den USA bedeuteten einen leichten Rückgang von 1,5 Prozent, teilte Daimler am Montag in Stuttgart mit. Vor allem der vor knapp einem Jahr in den USA eingeführte Zweisitzer Smart rettete die Verkaufsbilanz von Daimler. Ohne Smart hätte der Verkaufsrückgang auf das Gesamtjahr gerechnet 11,2 Prozent betragen. Am besten schlug sich in der Modellpalette des Konzerns jedoch die C-Klasse mit einem Verkaufsplus von 13,8 Prozent.
BMW teilte mit, im Dezember 35,9 Prozent weniger verkauft zu haben. Rechnet man die Marke Mini heraus, betrug das Minus sogar 40,2 Prozent. Für das Jahr 2008 lag das Minus bei 9,7 Prozent.
Die deutschen Autobauer wollten in den kommenden Tagen ihre gesamten Verkaufszahlen für 2008 vorstellen. Bereits im Dezember hatte der Branchenverband VDA mitgeteilt, dass der Autoverkauf vergangenes Jahr voraussichtlich so schlecht gelaufen ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.
Auch der Autokonzern Toyota meldete für sein US-Geschäft im Dezember einen Rückgang der Verkaufszahlen von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im ganzen Jahr gingen die Verkäufe bei Toyota um 16 Prozent zurück. Besonders deutlich fiel das Minus bei Trucks und anderen PS-starken Fahrzeugen aus. In Japan sank die Zahl der Neuzulassungen 2008 um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,2 Millionen Fahrzeuge. Das gab der Autohändlerverband Jada bekannt. Allein im Dezember gingen die Neuzulassungen um mehr als 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf rund 183.550 Autos zurück. Der Dezember war damit der schlimmste Monat, seit Jada 1968 begann, Statistiken zu veröffentlichen.
In Frankreich verzeichnete der Auto-Branchenverband CCFA in der zweiten Jahreshälfte 2008 einen dramatischen Rückgang der Verkaufszahlen um 6,3 Prozent. Noch im ersten Halbjahr wuchs der Markt den Angaben zufolge um 4,5 Prozent. Durch die Talfahrt zwischen Juli und Dezember ergebe sich über das ganze Jahr gerechnet ein Rückgang von 0,7 Prozent. Insgesamt wurden 2008 in Frankreich laut CCFA knapp 2,1 Millionen Neuwagen verkauft.