Alitalia Rettung in letzter Minute
Rom - Das Konzept sieht die Ablösung des bisherigen Alitalia-Chefs, eine weitere Privatisierung sowie eine Veränderung der Konzernstruktur vor. Nach Angaben aus Kreisen der Verhandlungspartern wird auch eine Kapitalerhöhung anvisiert, um mehr private Investoren anzuziehen.
Die Gewerkschaft hat nach Regierungsangaben zugesichert, vorläufig auf weitere Streiks zu verzichten. Binnen weniger Tage soll jetzt ein tragfähiges Sanierungskonzept erstellt werden, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Genauere Einzelheiten des Rettungsplans wurden zunächst nicht bekannt.
Die seit fünf Jahren defizitäre Alitalia befindet sich zu 62 Prozent in Staatsbesitz und stand in dieser Woche nach steigenden Verlusten unmittelbar vor der Liquidation. Mehrere Versuche zur Sanierung waren in den vergangenen Monaten am Widerstand der Gewerkschaft und teilweise auch der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gescheitert. Mit zahlreichen Streiks war der Flugdienst immer wieder lahm gelegt worden.
Zweiter Führungswechsel binnen zwei Monaten
Die Regierung begrüße die Einigung, weil nun eine Lösung der strukturellen Probleme von Alitalia möglich sei, sagte der stellvertretende Premierminister Gianfranco Fini. Die Federführung für die Sanierung soll als neuer und mit zusätzlichen Machtbefugnissen ausgestatteter Alitalia-Chef der bisherige Leiter der staatlichen Eisenbahngesellschaft, Giancarlo Cimoli, übernehmen. Er löst den erst vor zwei Monaten berufenen Marco Zanichelli ab und übernimmt auf Wunsch der Regierung auch die Position des Verwaltungsratschefs.
Die Regierung von Berlusconi hatte Ende Februar dem damaligen Alitalia-Chef Francesco Mengozzi die Unterstützung für seinen Sanierungsplan verweigert, dem 2700 Stellen zum Opfer fallen sollten. Das neue Management hatte zuletzt nach einem Verlust zwischen 220 und 250 Millionen Euro allein in den vergangenen vier Monaten die Streichung von 5400 der rund 22.000 Arbeitsplätze vorgesehen.
Insolvenzverfahren drohte
Die seit Montag laufenden Krisengespräche zwischen Management und Gewerkschaften waren am Donnerstag in die alles entscheidende Phase gegangen. Bei einer Nichteinigung wäre es zu einem Insolvenzverfahren oder zur sofortigen Liquidation gekommen, hatte es im Vorfeld des Treffens geheißen.
Die Regierung hatte die Gefahr eines Zusammenbruchs in den vergangenen Tagen heruntergespielt. Pläne für eine Finanzspritze, wie sie in den vergangenen Tagen in der Regierung erörtert worden waren, sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zunächst zurückgestellt worden. Alitalia brauche keinen Überbrückungskredit, sagte Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Die EU-Kommission hatte weiteren staatlichen Zahlungen eine Absage erteilt, jedoch Überbrückungskredite für möglich erachtet.