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Unternehmer Alles falsch?

Erfolg für den Ex-Chef der Metallgesellschaft: Der vermeintliche Skandalmanager Schimmelbusch kehrt ins Big Business zurück.
• aus DER SPIEGEL 30/1996
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heinz Schimmelbusch, 52, blickt zurück im Zorn. Den Rausschmiß bei der Metallgesellschaft (MG) im Dezember 1993 kann der frühere Konzernchef nicht verwinden. »Das sitzt tief«, sagt er, »der Groll verraucht nie.«

Wie ein Krimineller sei er damals behandelt worden. Er galt als Versager und Blender, für Bild war er der »Haßmann«. Nicht einmal ein Bankkonto habe er noch eröffnen können. So groß, sagt Schimmelbusch, sei das Mißtrauen gegen ihn gewesen.

Besonders schwer trifft den geschaßten Konzernchef der Vorwurf der Täuschung. Er soll dem Aufsichtsratschef Ronaldo Schmitz von der Deutschen Bank und dessen Aufsichtsratskollegen die riskanten Ölgeschäfte der New Yorker MG-Tochter bewußt verschwiegen haben.

Beim Verkauf der Ölkontrakte hatte die Metallgesellschaft Verluste in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar erlitten. Die Firma, die demnächst aus dem Deutschen Aktienindex gestrichen wird, mußte einige tausend Arbeitsplätze abbauen. Sanierer Kajo Neukirchen zog im Frankfurter Chefzimmer ein.

Schimmelbusch setzte sich nach New York ab und arbeitet seither an seiner Rehabilitierung - offenbar mit Erfolg. Die Schadensersatzklage des MG-Aufsichtsrates, der 25 Millionen Mark von Schimmelbusch verlangte, ist so gut wie vom Tisch.

Mit Millionenaufwand hielt Schimmelbusch dagegen. Vier deutsche Anwaltskanzleien und einige US-Staranwälte reichten im Juni vor dem Landgericht Frankfurt eine 847seitige Klageerwiderung ein. Nun verlangte Schimmelbusch seinerseits Wiedergutmachung für seinen lädierten Ruf - zehn Millionen Mark wollte er kassieren.

Ronaldo Schmitz, bis dahin ein unerbittlicher Streiter gegen den einstigen Konzernchef, zeigt sich plötzlich versöhnlich und forciert einen außergerichtlichen Vergleich.

In einem Prozeß, heißt es intern in der MG, wären die Vorgänge über das Öldebakel öffentlich analysiert worden. Schmitz habe verhindern wollen, daß seine Rolle und die Rolle der Deutschen Bank dann womöglich in einem ungünstigen Licht erschienen wären.

Auch wenn Schmitz den Eindruck gern vermieden hätte: Für Schimmelbusch, der unter Managern jahrelang als »Hallodri« (Süddeutsche Zeitung) galt, kommt die Einigung einer Ehrenerklärung gleich.

Der Vergleich sieht vor, daß der MG-Aufsichtsrat seine Schadensersatzklage gegen den einstigen Vorstandsvorsitzenden zurückzieht. Statt dessen soll Schimmelbusch nachträglich eine Abfindung in Höhe von mehreren Millionen Mark erhalten.

Beide Seiten, so der Entwurf für den Vergleich, bestätigen sich, jeweils in gutem Glauben gehandelt zu haben. Schimmelbusch wird nicht mehr unterstellt, das Desaster der Metallgesellschaft durch ein juristisch relevantes Fehlverhalten herbeigeführt zu haben.

Ein solcher Nachweis wäre wohl auch nicht mehr zu führen. Vor einigen Wochen hat ein Schiedsgericht in New York Arthur Benson als den Verantwortlichen für das Öldebakel ausgemacht. Der einstige Chefölhändler der MG hatte nach Feststellung des Gerichts die risikoreichen Geschäfte weitgehend alleinverantwortlich betrieben.

Nur Ex-Finanzchef Meinhard Forster war, wie ein MG-interner Prüfbericht vom Frühjahr 1994 ergeben hatte, über die Details der Ölgeschäfte im Bilde. Schimmelbusch sei nur »dem Grunde nach, wenngleich wohl nicht über das Ausmaß des Risikos« informiert gewesen.

Bereits am Freitag vorvergangener Woche sollte der Aufsichtsrat dem Vergleich zustimmen. Doch es regte sich Widerstand. Fahad Al-Salem, der Vertreter des Großaktionärs Kuweit (MG-Anteil knapp 14 Prozent), bestand auf einer gerichtlichen Klärung, und auch die Arbeitnehmervertreter waren irritiert.

Die Räte einigten sich schließlich auf Nachverhandlungen mit Schimmelbusch, keine Formulierung sollte mehr als Ehrenerklärung interpretiert werden können. Am vergangenen Samstag befaßte sich der Aufsichtsrat erneut mit dem Vergleich.

Eigentlich, sagt Schimmelbusch, habe er »richtig belegbar rehabilitiert« werden wollen, doch auch er scheut das Prozeßrisiko - nicht nur wegen der hohen Kosten.

Die zeitliche Beanspruchung würde ihn in seinen Aktivitäten zu stark behindern, sagt er. Denn mittlerweile ist der in Philadelphia ansässige Schimmelbusch wieder gut im Geschäft. Das verdankt er vor allem seinem Freund Warren V. Musser, Chef der Safeguard-Gruppe mit Sitz in Wayne (Pennsylvania), der sich Anfang 1994 demonstrativ vor den weltweit geächteten Manager stellte. »Ich kenne den Mann, ich kenne sein Geschäft, was ich über ihn gelesen habe, ist alles falsch«, erklärte Musser.

An einigen Tochterfirmen des Mischkonzerns, der vor allem im Bergbau aktiv ist, mehrere Finanzierungs- und Beratungsgesellschaften unterhält und Spezialwerkstoffe produziert, ist Schimmelbusch mittlerweile beteiligt. Musser übertrug ihm die Verantwortung für den Grubenbereich der diversen Safeguard-Firmen, die im Ural und in Kasachstan nach Gold, Blei, Kupfer und Zink schürfen.

Seit einigen Wochen ist Schimmelbusch zusätzlich als Manager eines anderen Unternehmens aktiv. Die in New York und Toronto ansässige Northfield Minerals engagierte den Bergbauprofi als Vorstandschef. Das Unternehmen unterhält eigene Gold- und Kupferminen in Kanada und Ecuador. Eine Kooperation, womöglich eine Fusion der Northfield mit der Safeguard stehe nun bevor, sagen Insider. Schimmelbusch schweigt.

Der Manager fühlt sich offenbar durch diese Posten nicht ausgelastet. Demnächst will der rastlose Österreicher als Unternehmer auch in Deutschland wieder aktiv werden. Er verhandelt über den Kauf einer Firma. Mehr gibt er nicht preis, das könnte den Deal gefährden, sagt er.

Schimmelbusch ist mit sich und seinem überraschenden Wiederaufstieg zufrieden: »Ich bin nicht in Selbstmitleid zerflossen. Ich bin gleich voll durchgestartet.«

* Im Februar 1994, vor seiner geheimen Unterkunft.

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