Alles gestorben - DER SPIEGEL
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BERLIN-BAUTEN Alles gestorben

Banken und Senat zerstritten sich um ein 210-Millionen-Mark-Projekt. Jetzt droht ein Reinfall vom Kaliber des Steglitzer Kreisels.
• aus DER SPIEGEL 14/1976
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Einbringen sollte der Coup 660 000 Mark -- kosten könnte er leicht etliche Millionen: Berlins Kurfürstendamm-Karree, von der einstigen Erfolgsarchitektin Sigrid Kressmann-Zschach als städtebauliches Glanzstück der City geplant, ist zum Streitobjekt von Banken und Finanzbeamten geworden und hat beste Chancen, zu einer gigantischen Fehlspekulation zu verkommen.

Dabei hatten sich die Finanzexperten des Berliner Senats alles so fein ausgedacht: Per Gerichtsvollzieher ließen sie den verschreckten Karree-Mietern mitteilen, die Staatskasse werde künftig die Mieteinnahmen pfänden.

Die Aussicht auf verläßliche Einnahmen währte für die Beamten freilich nur wenige Tage, dann rückten die eigentlichen Geldgeber des 210-Millionen-Mark-Baues an. Noch ehe die Staatskasse die Gelder einnehmen konnte, hatten die Banken, allen voran die Westdeutsche Landesbank (WestLB), den Zugriff der Staatsdiener verhindert.

Und das hatte noch nicht einmal viel Mühe gemacht: Zwar stehen dem Berliner Senat aus dem Pachtvertrag über das Karree-Grundstück, das er 1974 den notleidenden Bauträgern für 22 Millionen Mark abgekauft hatte, jährlich rund 1,1 Millionen an Zinsen zu. Doch diese Staatsforderung ist -- und das hatten die Beamten übersehen -- im Grundbuch an letzter Stelle eingetragen. Die besseren Plätze hingegen halten nicht weniger als 16 öffentliche und private Banken besetzt, die rund 140 Millionen Mark in das krachende Karree gesteckt haben.

Kaum hatte der Staat seine Pfändungsabsichten bekanntgemacht, schlugen die Banken zurück: Sie ließen ihren noch unfertigen und kaum begehrten Bau unter Zwangsverwaltung stellen. Folge: Der Gerichtsvollzieher darf nicht zugunsten des Senats pfänden, die Gläubiger werden vielmehr genau nach Rangfolge aus den Erträgen bedient. Die allerdings sind so dürftig, daß selbst für die erste Hypothek nichts bleibt.

Denn trotz exzellenter Lage wurde auch dieses Kressmann-Werk -- mit den Millionen steuerunwilliger Kommanditisten und massiver Unterstützung des Senats -- gründlich am Bedarf vorbeigebaut. Die Mieteinnahmen von 4,5 Millionen Mark im Jahr decken gerade die Betriebskosten.

Um den Büroturm nicht ganz den Ratten und Tauben zu überlassen, war Innensenator Kurt Neubauer schon für eine Jahresmiete von gut zwei Millionen Mark in 15 der 20 Stockwerke mit einer Verwaltungsakademie eingezogen.

Doch selbst nach dieser Staatshilfe rentierte sich das Projekt nicht. Laden-Flächen und vier riesige Sockelgeschosse finden kaum Interessenten. Nur knapp 60 Prozent des Karrees sind vermietet, und gewiefte Geschäftsinhaber können es deshalb riskieren, statt der vereinbarten 40 nur zehn Mark pro Quadratmeter zu überweisen.

Mit Schleuderpreisen möchte das Bankenkonsortium unter Führung der Westdeutschen Landesbank auch den einzigen potentiellen Mieter weit und breit, den Staat, in seine gähnenden Hallen locken. So denkt Norbert Fischer, Vorstandsmitglied der WestLB, an ein Museum für moderne Kunst -- »um Leben in die Bude« zu bringen.

»Alles schon gestorben«, winkt ein Sprecher des Senats ab, »die müssen mal mit anderen Vorschlägen kommen.« »Bis zum Geht-nicht-mehr« (Senatsdirektor Jörg Schlegel) habe die öffentliche Hand bereits den wankenden Ku'damm-Koloß abgestützt.

WestLB-Vorstand Fischer meint dagegen, die Banken hätten sich Ende 1974 gar nicht an die Sanierung gemacht, wenn sie gewußt hätten, »daß der Senat uns hängenläßt«. In ihren Bilanzen haben die Banken den Bau ohnehin abgeschrieben.

Noch immer bauen die Finanzmänner darauf, daß der Senat sich eine zweite Bauruine vom Kaliber des Steglitzer Kreisels (Architekt: Sigrid Kressmann-Zschach) nicht leisten kann. Im Konkursfall nämlich, rechneten sie sich aus, wäre die öffentliche Hand schon wegen der angemieteten 15 Etagen zu neuen Hilfen gezwungen. »Was machen die mit ihren zweieinhalbtausend Verwaltungsschülern«, sinniert Fischer, »wenn plötzlich weder Strom noch Wasser da sind.«

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