Allianz Asbest-Angst lässt Aktie abstürzen
München - Der Konzern erhöht seine Rückstellungen nach eigenen Angaben um 750 Millionen Dollar. Die hochverschuldete Allianz-Tochter Fireman's Fund hatte bereits 1995 ihre Rückstellungen wegen Asbestrisiken um 800 Millionen Dollar erhöht - zum Teil mit Allianz-Geldern. Vor zwei Jahren stockte der amerikanische Sachversicherer die Gelder nochmals um 250 Millionen Dollar auf. Die Allianz hatte bereits im Frühjahr für die zweite Jahreshälfte 2002 eine Erhöhung bei ihrer Tochter angekündigt.
Die Vorsorge reiche nun für mehr als 13 Jahre aus, sagte der Chef der Fireman's Fund, Jeff Post. Die Allianz hatte Fireman's Fund 1991 übernommen. In den USA war erst in den vergangenen Monaten deutlich geworden, wie viel Asbest in Wohn- und Geschäftshäusern verbaut ist - und wie groß die Zahl der potenziellen Opfer sein könnte: 600.000 potenzielle Kläger gebe es, zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Experten.
In den USA ist das Haftungsrisiko für die Versicherungskonzerne sehr hoch - sie fürchten die berüchtigten Sammelklagen. Experten schätzen die möglichen Forderungen von Asbest-Geschädigten auf ein Volumen von 200 bis 265 Milliarden Dollar. Die Allianz gab ein Gutachten in Auftrag, um das Risiko abzuschätzen. Das Ergebnis ist nicht bekannt - doch die Reaktion der Versicherung gibt eine eindeutige Antwort: Sie strich den Schutz gegen Asbest-Risiken aus ihrem Angebot.
Asbest wurde wegen seiner Eigenschaft als exzellenter Wärmedämmstoff und seiner Unempfindlichkeit gegen Laugen und Säuren bis in die sechziger Jahre in der Industrie und im Bau intensiv eingesetzt. Doch das Wundermittel hat einen mitunter tödlichen Nachteil: Asbest kann Lungenkrebs auslösen. Deshalb ist in Deutschland der Einsatz seit 1993 verboten.
Die Börse reagierte auf die angekündigte Hiobsbotschaft aus München nervös. Zwar hatte der Versicherungskonzern bereits im Frühjahr angekündigt, dass die Vorsorge für Asbest- und Umweltrisiken in den USA aufgestockt werden müsse. Doch da nun die exakte Summe bekannt ist, sorgt sie an der Börse für schlechte Stimmung. Nachdem die Nachricht bekannt wurde, stürzte der Kurs der Allianz-Aktie zeitweise um mehr als neun Prozent ab und erreichte mit 99,90 Euro am späten Nachmittag ein Acht-Jahrestief.