Allianz: Der verunsicherte Versicherer - DER SPIEGEL
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Allianz Der verunsicherte Versicherer

Die Schwäche der Weltbörsen und die Krise der Tochter Dresdner Bank haben dem Dax-Schwergewicht Allianz auch im zweiten Quartal hohe Verluste beschert. Der Konzern sorgt für neue Risiken vor und blickt nervös in die Zukunft.
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München - Es ist noch nicht lange her, da regierte in der Allianz-Zentrale in München der Konjunkturoptimismus. Das Ergebnis aus dem Terror-Jahr 2001 sollte verdoppelt werden, 2002 auf drei Milliarden Euro steigen. Vor gut zwei Wochen schockte der Konzern dann mit einer überraschenden Umsatz- und Gewinnwarnung. Und auch bei der Vorstellung der neuen Geschäftsergebnisse blieb das Unternehmen bei dieser vorsichtigen Sichtweise: Voraussichtlich lasse sich das für 2002 prognostizierte Ergebnis nicht halten.

Das zweite Quartal jedenfalls hat der Allianz hohe Verluste eingebracht - netto sind es 356 Millionen Euro. Schuld an der Misere ist vor allem das Bankgeschäft der übernommenen Dresdner Bank. Im gesamten ersten Halbjahr belief sich das Minus im Bankbereich nach Firmenwert-Abschreibungen, Steuern und Anteilen Dritter auf 1,058 Milliarden Euro. "Wir können mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein", sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet. Das Ergebnis vor Steuern und Firmenwert-Abschreibungen sank in den ersten sechs Monaten auf 2,7 Milliarden Euro, 6,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Bankgeschäft hätten sich die Rahmenbedingungen im zweiten Quartal nochmals verschärft, teilte der Konzern weiter mit. Das Marktumfeld sei sehr volatil, die zunehmende Zahl von Insolvenzen erschwere das Geschäft. Die Risikovorsorge erhöhte sich den Angaben nach auf 1,068 Millionen Euro. Der Grund seien Wertberichtigungen besonders für Einzelrisiken und für Lateinamerika, wo sich die ursprünglich auf Argentinien konzentrierte Wirtschaftkrise ausgebreitet hat.

Die Schwäche der Dresdner Bank fällt umso mehr auf, weil die Beitragseinnahmen im alten Kerngeschäft, der Versicherungssparte, um rund zwölf Prozent stiegen - die Strategie, sich mit einem breiten Allfinanzkonzept gegen Konjunkturrisiken abzusichern, ist damit zumindest in diesem Jahr gescheitert. Die verdienten Nettobeiträge stiegen leicht von 25,1 auf 26,9 und lagen damit im Rahmen der Analystenerwartungen. Bei den Lebens- und Krankenversicherungen stiegen die Beiträge gar um 21,3 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro. Das verwaltete Vermögen ging dagegen um 6,1 Prozent auf 1,1 Billionen Euro zurück.

Eine neue Ergebnisprognose für das Gesamtjahr, auf die an den Kapitalmärkten sehnlichst gewartet wurde, wagte die Allianz nicht. Nach Bekanntgabe von Zahlen hat die Allianz-Aktie deutlich schwächer notiert. Bis 09.35 Uhr verlor das Papier um 3,40 Prozent auf 125,10 Euro. Der Dax gab bis dahin um 1,93 Prozent auf 3612 Punkte nach.