Allianz/Dresdner: Banken im Umbruch - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Allianz/Dresdner Banken im Umbruch

Mit der Übernahme der Dresdner Bank könnte Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle die gesamte deutsche Bankenlandschaft umkrempeln. Die Zukunft gehört den Finanzkonzernen, die alles anbieten.
Von Annegret Loges
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - In wenigen Tagen wird die Allianz aller Voraussicht nach einen Plan zur Übernahme der Dresdner Bank vorlegen. Europas größter Versicherungskonzern hält schon jetzt rund 22 Prozent an dem Kreditinstitut. "Die Deutsche Bank wäre der Allianz als Partner lieber gewesen", sagt Ralph Bressler vom Bankhaus Lampe. Die Gespräche über eine Übernahme des Filialnetzes der Deutschen Bank 24 waren jedoch geplatzt. Trotzdem: "Allianz und Dresdner Bank sind jetzt sehr gut aufgestellt."

Neben dem Allfinanzriesen wird ein weiterer, genauso gestrickter Konzern entstehen: HypoVereinsbank und Münchener Rück. Die Versicherung ist indirekt an der Dresdner beteiligt und will ihre Anteile nun an die Allianz verkaufen. Im Gegenzug soll die Münchener Rück ein Hypo-Aktienpaket in Höhe von 13,7 Prozent von der Allianz erhalten.

Nach der Entflechtung entstünden zwei große Blöcke, die sämtliche Finanz- und Versicherungsprodukte für Privatkunden anböten - vom Bankkonto über den Investmentfonds und die Immobilie bis hin zur Hausratversicherung. "Die werden dann stärker die Sparkassen und Volksbanken bearbeiten", tippt der Lampe-Analyst.

Kein Platz mehr wäre für das Investmentbanking der Bank, Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Investmenttochter der Dresdner wird so schnell wie möglich abgestoßen, schätzt Bressler - "sobald das Investmentgeschäft wieder besser läuft".

Und die Deutsche Bank? Sie ist angeblich im Gespräch mit dem französischen Versicherungskonzern AXA. Dabei könnte im Endeffekt ein weiteres Allfinanzkonstrukt herauskommen, wenn auch eher über eine Kooperation denn eine Fusion.

Allein die Commerzbank zeigt keine Ambitionen, sich neue Partner zu suchen. Zwar hatte noch bei Vorstellung der Bilanz am Mittwoch der designierte Bankchef Klaus-Peter Müller gesagt, man sei für "sinnvolle Gespräche" mit der Dresdner Bank offen. Doch diese Option ist jetzt obsolet. Nun gilt wohl eher die Maxime alleine bleiben. Das Versicherungsgeschäft betreibt die Commerzbank bereits in geringem Umfang mit ihrem italienischen Partner Generali.