Allianz/Dresdner Übernahmegerüchte bestätigt
München - Die Gespräche befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, seien aber noch nicht abgeschlossen, teilte die Allianz am Donnerstag in München mit. Ziel sei die Schaffung eines führenden integrierten Finanzdienstleisters für Versicherungs-, Vermögens- und Bankprodukte. Wir werden die Öffentlichkeit unverzüglich und umfassend informieren, sobald entsprechende Entscheidungen vorliegen, ergänzte der Konzern. Weitergehende Gerüchte würden von den Unternehmen nicht kommentiert.
Die Börsen hatten am Vormittag skeptisch auf die Gerüchte um die bevorstehende Übernahme reagiert. Das Papier verlor am Morgen an der Frankfurter Börse zwischenzeitlich fünf Prozent auf 303 Euro und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Ende 1999. Zum Mittag drehte sich jedoch der Wind: Kurz nach 12 Uhr notierte die Aktie 2,13 Prozent im Plus bei 316,10 Euro.
Die Dresdner-Bank-Aktie konnte dagegen weiter leicht auf 49,50 Euro zulegen. Bereits am Vorabend hatte der Allianz-Kurs nach Bekanntwerden der Spekulationen um über sechs Prozent nachgegeben, während die Dresdner Bank um mehr als sieben Prozent nach oben sprang. Auch die Aktie der HypoVereinsbank profitierte von dem angeblich geplanten Dreieckstausch. Das Papier legte um fast drei Prozent zu und war damit zunächst größter Gewinner im Börsenbarometer Dax.
Analysten äußerten sich überrascht und überwiegend skeptisch zu dem Übernahmevorhaben. "Es kommt schneller, als ich gedacht habe, das ist natürlich ein Hammer", sagte WestLB-Bankanalyst Georg Kanders. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Allianz langfristig Interesse am Investmentbanking der Dresdner habe. "In erster Linie zählt für die Allianz die Vermögensverwaltung und die Vertriebsschiene über die Filialen der Dresdner." Langfristig könne ein kombinierter Bank- und Versicherungskonzern jedoch sinnvoll sein.
Ein Analyst, der nicht genannt werden wollte, sagte, eine Übernahme passe gar nicht in die Strategie der Allianz, die immer nur von der Eröffnung neuer Vertriebswege für ihre Versicherungsprodukte und nicht gleich von der Übernahme einer ganzen Bank gesprochen habe. In Deutschland gebe es auch gar nicht die Struktur bei den Aufsichtsbehörden für einen solchen Mischkonzern. "Das würde von den Märkten massiv negativ aufgenommen werden, und das weiß die Allianz", sagte der Analyst.
Schon gestern Abend hatte Bankenanalyst Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim Bedenken angemeldet: "Die Allianz wollte schon früher ihren Anteil an der Dresdner Bank auf mehr als 25 Prozent erhöhen, war aber an den Kartellbehörden gescheitert."
Die Allianz habe ein Interesse an den Geschäftsfeldern Asset Management und Retail Banking. Das Problem bei einer Übernahme der Dresdner Bank seien die Geschäftsbereiche, die nicht in ihr Konzept passen würden. "Das Investmentbanking, das Firmenkundengeschäft und das Hypothekengeschäft müssten entweder verkauft oder geschlossen werden." Sonst lohne sich ein Kauf der Dresdner Bank für die Allianz nicht, sagte Sen.
Dies wird der Allianz aber - vorerst zumindest - nicht gelingen. In Branchenkreisen hieß es, mit Dresdner-Chef Bernd Fahrholz sei eine Zerschlagung nicht zu machen. Die einzelnen Unternehmensbereiche der Dresdner Bank könnten sehr wohl vollständig in einem neuen Allfinanzkonzern aufgehen.
Seit der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank im vergangenen Jahr hatten sich die Spekulationen über eine Übernahme der Dresdner Bank verstärkt. Kurze Zeit später war auch ein geplanter Zusammenschluss zwischen Dresdner und Commerzbank gescheitert. Die Deutsche Bank kommentierte die angeblichen Übernahmepläne der Allianz nicht.
Auch der Verkauf der HypoVereinsbank-Anteile der Allianz an die Münchener Rück sei bei der damals gescheiterten Fusion von Deutscher und Dresdner Bank als Option diskutiert worden, hieß es in den Kreisen. "Damit hätte (HypoVereinsbank-Chef Albrecht) Schmidt sein altes Ziel erreicht." Am Ende könne eine Allianz der HypoVereinsbank und der Münchener Rück stehen. Der Anteil der Münchener Rück an der HypoVereinsbank beträgt derzeit rund sechs Prozent und würde sich auf rund 19 Prozent erhöhen.