Allianz Zum Einkaufen nach New York
New York - Durch den Börsengang erweitert die Allianz nach den Worten von Schulte-Noelle "ihre Flexibilität bei der Finanzierung künftiger Akquisitionen". Nach Angaben des Unternehmens sollen in Zukunft das Lebensversicherungsgeschäft sowie der Bereich Schaden- und Unfallversicherung in den USA ausgebaut werden. Bislang ist der Münchener Versicherungskonzern im Bereich Lebensversicherung mit Allianz Life und bei der Schaden- und Unfallversicherung mit Fireman's Fund sowie Allianz-Insurance in den USA vertreten.
Analysten rechnen mit weiteren milliardenschweren Firmenzukäufen des Versicherungskonzerns in den USA. Durch das Listing verschafft sich die Allianz eine attraktive Akquisitionswährung und muss Übernahmen in den USA nicht mehr bar bezahlen.
Die Allianz ist der erste deutsche Finanzdienstleister, der die Zulassung für die New Yorker Börse erhalten hat. Nach monatelangen Verhandlungen gab die US-Börsenaufsicht in dieser Woche die Genehmigung zum Listing. "Unser Ziel, bis spätestens Ende 2001 in den USA gelistet zu sein, haben wir früher als erwartet erreicht", sagte Schulte-Noelle. Auch die Deutsche Bank bemüht sich seit längerem um den Start an der New Yorker Börse.
Gehandelt werden an der New Yorker Börse nicht die Allianz-Aktien, sondern so genannte American Depositary Shares (ADS). Diese Hinterlegungsscheine für Aktien garantieren dem Anleger gegenüber der ausgebenden Bank einen Anspruch auf den Bezug der Aktien. Die Banken hinterlegen die auf dem jeweiligen Heimatmarkt gekauften Aktien in einem Depot und emittieren die ADS-Zertifikate. Auch andere deutsche Konzerne wie die Deutsche Telekom, SAP, E.ON und BASF sind in den USA mit ADSs notiert. Von knapp zwei Dutzend deutschen Konzernen, die bisher an der New Yorker Börse sind, setzen nur DaimlerChrysler und Celanese auf Global Registered Shares, globale Namensaktien.
Nach dem Erwerb der US-Vermögensverwalter Pimco-Advisors und Nicolas Applegate dürfte der Bereich Vermögensverwaltung Marktbeobachtern zufolge nicht mehr im Mittelpunkt der Expansionsbemühungen stehen. Die Allianz verwaltet weltweit ein Vermögen von 750 Milliarden Euro und gehört damit zu den international führenden Vermögensverwaltern. In dem Segment sieht das Unternehmen nach früheren Angaben eher noch Handlungsbedarf in Asien und Europa.