Altana Dänische Firma will Pharma-Sparte
Frankfurt am Main - Wie es so ist bei streng geheimen Verhandlungen: Offiziell will keines der beiden Unternehmen Stellung nehmen. "Kein Kommentar", sagte ein Altana -Sprecher, auch ein Nycomed-Sprecher wollte sich nicht äußern. Intern wird das Projekt zum Verkauf der Pharmasparte bei Altana nur "Projekt Picasso" genannt, berichtet die "Financial Times Deutschland".
Der Zeitung zufolge soll jedoch das Pharmaunternehmen Nycomed Interesse an der Sparte des Bad Homburger Chemie-Konzerns haben. Altana habe ein Memorandum mit vertraulichen Informationen an die Dänen geschickt. Solche Unterlagen würden üblicherweise nur nach einer Vertraulichkeitserklärung verschickt, die ein konkretes Interesse des Empfängers voraussetze.
Unklar sei aber noch, wie weit die Kontakte zwischen Altana und Nycomed gediehen seien, berichtet das Blatt weiter. Ähnliche oder gleich lautende Unterlagen seien insgesamt an knapp eine Handvoll Finanzinvestoren gegangen.
Altana hatte bereits im Januar mögliche Allianz-Partner für die Pharmasparte angesprochen. Die Neuausrichtung des Pharmageschäfts soll nach dem Willen von Konzernchef Nikolaus Schweickart noch in diesem Jahr umgesetzt werden.
Hintergrund des geplanten Verkaufs ist der Mangel an neuen Produkten. Der Erfolg des Unternehmens in den vergangenen Jahr beruhte vor allem auf dem Magenmittel Pantoprazol, das 1994 auf den Markt kam und zum Kassenschlager wurde. Seit dem schlitterte das Unternehmen von einem Umsatz- und Gewinnrekord zum nächsten. Quandt-Tochter Susanne Klatten, der die Altana AG zu 50,1 Prozent gehört, strich allein zwischen 2000 und 2005 mehr als 330 Millionen Euro an Dividenden ein.
Doch die Panto-Patente laufen in Deutschland 2009 aus und in den USA ein Jahr später. Danach können auch andere Firmen das Mittel auf den Markt bringen. Ein neues Produkt, das ähnliche Erfolge feiern könnte, gibt es bei Altana nicht. Ein Medikament, auf dem zwischenzeitlich die Hoffnungen ruhten, blieb in der Entwicklung stecken. Auch das Atemwegspräparat Daxas wurde zum Misserfolg: Der US-Konzern Pfizer ließ die Entwicklungskooperation platzen, kurz darauf musste Schweickart den europäischen Zulassungsantrag für das Mittel zurückziehen. Das neue Asthmamittel Alvesco schafft bisher nur einen Bruchteil des Umsatzes von Pantoprazol.
Zähe Verkaufsversuche
Vor einigen Monaten mussten Schweickart und Klatten deshalb eingestehen, dass das Unternehmen in seiner jetzigen Form nicht fortbestehen könne. Die Chemiesparte soll deshalb noch dieses Jahr an die Börse. Für den Pharma-Bereich wurde fortan ein Käufer gesucht. Der Veräußerungsprozess zieht sich nun schon über ein dreiviertel Jahr hin. Die Motivation der Mitarbeiter sei inzwischen ausgehöhlt, heißt es in der "FTD".
Eigentlich hatte Schweickart seinen Mitarbeitern versprochen, das Unternehmen nicht an Finanzinvestoren zu verkaufen. Dieses Versprechen bricht er nun womöglich - zumindest indirekt. Nycomed ist im Besitz der Finanzinvestoren Nordic Capital, Credit Suisse Private Equity und Blackstone. Bisher habe Schweickart aber schlicht noch keine Interessenten gefunden, hinter denen keine Beteiligungsfirmen stehen, so die "FTD". In der Branche habe der Konzernchef sich bisher nur Körbe eingeholt. Einer mit den Vorgängen vertrauten Person zufolge seien etwa zunächst recht vielversprechend aussehende Verhandlungen mit japanischen Firmen gescheitert.
Nycomed könnte Schweickart zumindest als Mittelweg präsentieren. Das dänische Unternehmen ist spezialisiert auf Partnerschaften mit Pharmaunternehmen, von denen es Lizenzen für Forschung und Vertrieb erwirbt.
Die Börse hält viel von einem solchen Deal. Am Frankfurter Aktienmarkt führten die Altana-Aktien heute die Liste der Gewinner an. Der Wert des Papiers stieg bisher um 1,6 Prozent auf 44,71 Euro.
ase/ddp/reuters