Altern in Unwürde: Die globale Pflege-Katastrophe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Altern in Unwürde Die globale Pflege-Katastrophe

Vernachlässigte Heimbewohner, überforderte Pfleger, Betreuung im Akkord: Die Versorgung der Alten überfordert die deutsche Gesellschaft. Wie gehen andere Länder mit dem Pflege-Problem um? SPIEGEL ONLINE hat Bedürftige auf der ganzen Welt besucht - Bestandsaufnahme eines globalen Problems.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Den Deutschen graut vor dem Altwerden: In einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des "Senioren Ratgebers" erklärte jeder dritte Deutsche, er wolle sich lieber "selbst Schluss machen" als zum Pflegefall zu werden. 70 Prozent der Interviewpartner räumten ein, große Angst davor zu haben, einmal auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Kein Wunder: Die Berichte über Pflegenotstände sind grauenhaft.

2,11 Millionen Pflegebedürftige gab es den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge Ende 2005, im Jahr 2020 sollen es geschätzt rund 2,83 Millionen sein.

Ein Pflegefall in der Familie führt nicht selten zu spürbaren finanziellen Einschränkungen. Die Zuschüsse sind oft viel zu gering, um die horrenden Kosten von Heimen oder Pflegekräften zu bezahlen. Ohne osteuropäisches Fachpersonal, das eine große Zahl deutscher Senioren betreut, würde das System womöglich zusammenbrechen.

Um den Kollaps zu verhindern, berät derzeit der Gesundheitsausschuss des Bundestages den Entwurf der Bundesregierung für ein Gesetz zur "strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung". Noch in diesem Jahr soll die Reform beschlossen werden.

An Vorschlägen, wie die Pflege zu verbessern wäre, mangelt es nicht. Von der "Sterne"-Bewertung von Heimen, über Pflegestützpunkte, die bei der Auswahl des richtigen Pflegedienstes beraten, und bezahltem Sonderurlaub zur Pflege eines Angehörigen bis hin zu höheren Pflegesätzen - alles soll dazu dienen, den Menschen ein Altern in Würde zu ermöglichen. Und trotzdem wird ein neues Gesetz wohl nur das Schlimmste mildern können.

Die alten Menschen einer Gesellschaft zu versorgen, ist nicht nur in Deutschland ein Problem. Auch in anderen Ländern wächst die Gruppe der Senioren rasant, oft müssen immer weniger junge Menschen für immer mehr ältere sorgen.

SPIEGEL ONLINE hat Pflegebedürftige in der ganzen Welt besucht, um einen Eindruck zu gewinnen, wie Menschen alt werden - in Entwicklungsländern, in Schwellenländern und in Industrienationen. Das bittere Ergebnis: Altwerden in Würde ist ohne Geld nur an sehr wenigen Orten möglich.

Mehr lesen über