DAX Am Tropf des Dow
In geradezu absurder Weise hängt der Deutsche Aktien-Index (Dax) am Tropf seines großen US-Vorbildes, des Dow Jones. Besonders deutlich wurde dies am vergangenen Donnerstag: Die Europäische Zentralbank hatte die Leitzinsen gerade um 50 Basispunkte gesenkt, und noch lag der Dax mit etwa einem Prozent im Plus. Schließlich bedeuten niedrigere Zinsen, dass Anleger mit Anleihen weniger Geld verdienen und folglich Dividendenpapiere attraktivere Renditen bieten. Zudem werden durch den Zinsschritt europäische Aktien im Vergleich zu beispielsweise amerikanischen Aktien attraktiver, denn die Börsianer rechnen nun in Europa mit Kursanstiegen. Doch als in New York die Börse öffnete und die Kurse erwartungsgemäß bröckelten, ging auch der Dax in die Knie. Und wie immer übertrieben die deutschen Börsianer: Während der Dax bis Handelsschluss über 3,7 Prozent verlor, schloss der US-Index lediglich 1,5 Prozent im Minus. Jörg de Vries-Hippen, Fondsmanager beim Deutschen Investment Trust, kann sich über das mangelnde Selbstbewusstsein der deutschen Händler nur wundern: »Wir folgen den Amerikanern wie die Schafe ihrem Hirten. Mit Rationalität hat das längst nichts mehr zu tun.« Der Profi-Investor sieht den Dax im langjährigen Vergleich »massiv unterbewertet«. Doch eine Korrektur ist nicht in Sicht: Denn noch immer - und noch eine ganze Weile - wird wohl die Psychologie dominieren. Und damit die berühmten »Vorgaben aus den USA«.