Amazon.com Analysten vermuten Bilanzkosmetik
Los Angeles - Schon im letzten Jahr hatte ein Analyst dem Mut, sich gegen den Börsenstar Jeff Bezos aufzulehnen. Die Finanzierung des Unternehmens sei in Gefahr, sagte Ravi Suria von Lehman Brothers, und sorgte damit für helle Aufregung bei Amazon.com. Bezos und seine Kollegen reagierten mit ungewohnter Schärfe auf diese Vermutung und brandmarkten die Analyse als kompletten Unsinn.
Angesichts des öffentlichen Streits um die Finanzmittel ging ein Kritikpunkt Surias unter: "Wir glauben, dass die Kombination von negativem Cash-Flow, schwachem Working Capital und der extremen Verschuldung in einem höchst kompetitiven Markt diese Firma einem sehr hohen Risiko aussetzen", schrieb der Analyst. Vereinfacht gesagt wies Suria auf die Gefahr hin, dass Amazon in der momentanen Verfassung nicht in der Lage sein könnte, den eigenen Schuldenberg abzutragen.
Dieses Problem wird nun von anderen Analysten aufgegriffen. So sagte James Gerwick von Stock USA gegenüber "manager-magazin.de": "Um die fälligen Milliarden für die Schuldentilgung aufbringen zu können, müsste Amazon jährlich um mehr als 20 Prozent wachsen und eine Umsatzrendite von knapp vier Prozent erwirtschaften". Gerwick wirft der Amazon-Führung sogar Bilanzkosmetik vor. Die Internetfirma versucht seiner Meinung nach, nur noch über den Gewinn vor Kosten zu reden. Damit würde aber die tatsächliche Problematik nicht abgebildet.