Amazon.com Gute Zahlen, schlechte Noten
Der Verlust pro Aktie erreichte 25 (47) Cent. Auf operativer Basis verdiente die Gesellschaft eine Million Dollar gegenüber einem operativen Verlust von 140 Millionen Dollar im zweiten Quartal des Vorjahres. Der Halbjahresverlust lag bei 116,7 (402,5) Millionen Dollar. Der Halbjahresumsatz erhöhte sich auf 1,7 (1,4) Milliarden Dollar.
"Ich bin vor allem erfreut über die hervorragende Arbeit, die unser US-Buch-Team leistet - hier ist die Zahl der abgesetzten Bücher im Jahresvergleich um 20 Prozent gestiegen", sagte Amazon-Chef und -Gründer Jeff Bezos. Im Juni hatte Amazon.com seine vierte deutliche Preissenkung in diesem Jahr angekündigt. Der Umsatz mit Elektronik, Werkzeugen und Küchengeräten legten wegen Preiskürzungen ebenfalls zu.
Das Auslandsgeschäft mit Amazon.com-Sites in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Japan stieg um 70 Prozent auf 218 Millionen Dollar. Das operative Pro-Forma-Ergebnis verbesserte sich im Ausland um 66 Prozent, und es fiel nur noch ein Verlust von zehn Millionen Dollar an.
Die Gesellschaft erwartet für das dritte Quartal einen Umsatz von 780 bis 830 Millionen Dollar und einen operativen Gewinn von acht Millionen Dollar bis 17 Millionen Dollar. Der Umsatz soll im Gesamtjahr um mehr als 18 Prozent zulegen, und einen Pro-Forma-Gewinn ermöglichen.
Aktionäre teilten diesen Optimismus allerdings nicht. Noch im Dienstagshandel rutschte die Aktie um sechs Prozent auf 14,55 Dollar ab. Im nachbörslichen Handel fiel die Aktie nochmals und erreichte Kurse unter 13 Dollar. Laut "CBS Marketwatch" sind Anleger enttäuscht von der Umsatzprognose für 2002. Die angekündigte Steigerung mache klar, dass es mit einem schnellen Wachstum der Amazon-Geschäfte erst einmal vorbei sei.
Angesichts der Kritik an der Rechnungslegung amerikanischer Unternehmen hat sich Amazon.com zu einer neuen Bilanzierungspraktik entschieden. Das Unternehmen will nun von 2003 an Aktien-Optionen als Kosten verbuchen. Bislang wurden die Optionen in der Gewinn- und Verlustrechnung verschwiegen. Auch auf Grund dieser Belastung der Bilanz erwarten Investoren in Zukunft schlechtere Ergebnisse.