Amazon.com: Süßer die Kassen nie klingeln - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Amazon.com Süßer die Kassen nie klingeln

Amazon.com zieht für das Weihnachtsgeschäft eine positive Bilanz. Dennoch konnte das Flaggschiff der Online-Händler die Analysten nicht völlig überzeugen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seattle - Das US-Unternehmen hat nach vorläufigen Angaben im vierten Quartal seinen Umsatz gesteigert und seinen operativen Proforma-Verlust verringert. Die Erlöse hätten im Schlussquartal um mehr als 40 Prozent auf 960 Millionen Dollar zugelegt, teilte Amazon.com am Montag nach Börsenschluss mit.

Der operative Proforma-Verlust habe rund sieben Prozent des Nettoumsatzes im Konzern ausgemacht, verglichen mit 26 Prozent im vierten Quartal 1999. Nach Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen verzeichnete die Amazon-Aktie im nachbörslichen Geschäft starke Kurszuwächse.

Die Reaktionen der Analysten waren dennoch eher gemischt. Viele Experten hatten damit gerechnet, dass der Online-Händler im Schlussquartal zum ersten Mal die Milliardengrenze beim Umsatz überschreiten könnte. Für die nächsten drei bis fünf Jahre waren sie von einem Wachstum von 45 Prozent ausgegangen. Die nun veröffentlichten Zahlen könnten die Erwartungen auf 35 Prozent drücken, sagte Jeffrey Fieler von Bear Stearns in New York.

Der Online-Händler macht den Löwenanteil seines Geschäftes in der Adventszeit und ist entsprechend abhängig von einem guten Ergebnis in diesem Zeitraum. "Amazon.com wird überleben, und es wird profitabel sein", so das Fazit von Jeffrey Fieler. "Aber nicht so profitabel, wie manche erwartet haben."

Bei den Gewinnzahlen erwarten Analysten nach einer Umfrage von First Call/Thomson Financial derzeit im Schnitt einen Verlust von 26 Cent je Aktie, verglichen mit einem Verlust von 55 Cent im Schlussquartal des Vorjahres.

Schneestürme als Kaufanreiz

Amazon-Finanzchef Warren Jensen zeigte sich dennoch "hocherfreut über dieses Quartal". Amazon.com habe im operativen Geschäft seine Effizienz unter Beweis gestellt. Nach Amazon-Angaben wurden im vierten Quartal rund vier Millionen Neukunden gewonnen. Dies entspreche einem Zuwachs von 16 Prozent, sagte Jensen. Damit belaufe sich die Anzahl der Kunden nunmehr auf 29 Millionen.

Amazon.com hatte im vergangenen Jahr sein Angebot erweitert und bietet nunmehr neben klassischen Medienprodukten etwa auch Spielzeug- und Elektroartikel an. Nach Angaben des Unternehmens haben im Jahresendgeschäft mehr als 35 Prozent der Kunden andere Produkte als Bücher, Tonträger oder Videos bestellt - für den Online-Händler ein Zeichen, dass seine Strategie aufgegangen ist.

Der durchschnittliche Auftragswert habe bei 58 Dollar gelegen und sei damit gegenüber dem Schlussquartal des Vorjahres um 25 Prozent gestiegen. Einige Experten erklärten diesen Zuwachs zum Teil auch mit den Schneestürmen, die während den Feiertagen in vielen Landesteilen der USA den Verkehr lahm legten. Käufer hätten deswegen wohl vielfach online eingekauft, um nicht auf eisigen, schneeverwehten Straßen zu den Einkaufszentren fahren zu müssen.