Amazon.de Schluss mit dem Gratisversand
München - Künftig werden die Amazon-Kunden bei Buchbestellungen im Wert von weniger als 20 Euro zur Kasse gebeten. Pro Lieferung werden dann pauschal drei Euro pro Lieferung fällig. Oberhalb der 20-Euro-Grenze bleibt die Lieferung für den Kunden jedoch weiterhin kostenfrei.
Amazon ist damit einer der ersten Internethändler, die für Büchersendungen Gebühren erheben. Der Internethändler weitet damit zwar nur sein Einnahmemodell aus, das er bereits für DVDs, Musik, Videos und Unterhaltungselektronik anwendet. Dennoch ist dies eine deutliche Veränderung in der Strategie des Unternehmens. Angesichts der schrumpfenden Konkurrenz im Internet meint Amazon offensichtlich, sich diesen Schritt leisten zu können.
Sichere Einnahmequelle
Ralf Kleber, erst seit wenigen Tagen als Geschäftsführer Amazon Deutschland im Amt, ist davon überzeugt, dass sich für die meisten der Amazon-Nutzer nur wenig ändere. "Wir haben ein neues Versandkostenmodell, das der Mehrheit unserer Kunden den kostenlosen Versand auch in Zukunft ermöglichen wird", sagte Kleber gegenüber manager-magazin.de. "Wir haben festgestellt, dass sich das Bestellverhalten unserer Kunden in den letzten Jahren geändert hat. Wir sehen höherwertige Bestellungen und deutlich mehr Mischbestellungen von Kunden, die früher nur Bücher bestellt haben."
Gebühren auf Länder abgestimmt
Die Entscheidung pro Gebühren komme nicht plötzlich, sagte Kleber. Es sei eine langfristige, strategische Entscheidung und vor allem unabhängig von personellen Veränderungen. Erst in der vergangenen Woche war der Deutschland-Geschäftsführer Philipp Humm überraschend von seinem Amt zurückgetreten.
Das neue Versandkostenmodell reflektiere die Entwicklung vom Internetbuchhändler zu einem Unternehmen, bei dem die Kunden alles finden könnten, was sie online kaufen wollten, so Kleber. Diesem veränderten Produktprogramm solle das Versandkostenmodell angepasst werden. Die Schwelle für einen kostenpflichtigen Versand sei deshalb bewusst niedrig angesetzt worden. Auch in anderen Ländern arbeite Amazon mit einem ähnlichen Versandmodell, jedoch seien die Kosten auf die jeweiligen Länder abgestimmt.
Keine Angst vor der Konkurrenz
Befürchtungen, dass Amazon in Deutschland möglicherweise seine Marktführerschaft beziehungsweise Kunden verlieren könnte, hat Kleber nach eigenen Worten nicht. Dabei weist beispielsweise Konkurrent BOL eine ähnliche Produktpalette wie Amazon auf. Noch versendet die Bertelsmann-Tochter Buchbestellungen umsonst.
Allerdings gibt es auch im Hause BOL Überlegungen, Gebühren zu erheben. Eine BOL-Sprecherin sagte, derzeit wolle das Unternehmen zwar keine Gebühren für Buchsendungen erheben. Langfristig sei dies aber nicht ausgeschlossen. Denn wie bei anderen Händlern auch ist gerade der freie Versand einer der großen Kostentreiber für die im Regelfall klammen Internet-Unternehmen.
Fazit: Die Kostenloskultur des World Wide Web steuert auch bei den Internethändler immer mehr ihrem Ende zu.