Ambitionen: Commerzbank will Deutsche Bank übertrumpfen - DER SPIEGEL
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Ambitionen Commerzbank will Deutsche Bank übertrumpfen

Bislang galt sie als Kronprinz unter den Übernahmekandidaten, jetzt wird die Commerzbank zum Jäger: Mit einer neuen Führungsriege will das zweitgrößte deutsche Geldhaus seine Rolle im deutschen Bankenmarkt stärken - am liebsten mit einer spektakulären Übernahme.
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Frankfurt am Main - Mit seinen Einkaufswünschen hält Klaus-Peter Müller nicht hinter dem Berg. "Wir müssen optimal vorbereitet sein, um die Möglichkeiten nutzen zu können, die sich in der Zukunft bieten", sagte der scheidende Bankchef bei der Hauptversammlung am Donnerstag. Deshalb will er sich von seinen Aktionären die Ermächtigung holen, im Falle eines Zukaufs frisches Kapital bei den Investoren einsammeln zu können. Mit dem geplanten Kapitalrahmen könnten, am Aktienkurs gemessen, um die elf Milliarden Euro in die Kasse der Commerzbank gespült werden.

Commerzbank-Hauptversammlung: Komfortable Kapitalausstattung

Commerzbank-Hauptversammlung: Komfortable Kapitalausstattung

Foto: DPA

Der 63-jährige Müller, der nach Ende der Hauptversammlung das Zepter an seinen fast 20 Jahre jüngeren Vorstandskollegen Martin Blessing übergibt, betonte, die Commerzbank wolle eine "gestaltende" Rolle spielen bei Zusammenschlüssen. "Wir wollen die Commerzbank zur echten Nummer eins auf dem deutschen Bankenmarkt machen", sagte der Rheinländer, der an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln soll. "Deshalb haben wir in der Vergangenheit Sondierungsgespräche geführt und werden dies auch in Zukunft tun." Konkrete Ergebnisse gebe es aber nicht.

Die Kapitalausstattung sei zwar komfortabel, aber um alle Chancen nutzen zu können, brauche die Bank die Chance auf eine Kapitalerhöhung, sagte Müller. Möglichkeiten für Übernahmen gibt es genug: Sowohl die Postbank   als auch die Privat- und Geschäftskundensparte der Dresdner Bank könnten in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. Spekuliert wird auch, dass die Citigroup   ihre Deutschlandtochter Citibank zur Disposition stellt. Die Postbank ist an der Börse derzeit 9,5 Milliarden Euro wert.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) signalisierte Zustimmung zu den Kapitalplänen der Commerzbank. "Wenn man von der Commerzbank erwartet, dass sie eine aktive Rolle bei der Konsolidierung spielen soll, dann muss man sie auch mit dem notwendigen Geld dafür ausstatten", sagte DSW-Geschäftsführer Carsten Heise. Der Vertreter eines Investmentfonds war dagegen skeptisch: Die Pläne der Commerzbank bereiteten "Bauchschmerzen". In der momentanen turbulenten Phase an den Märkten sei es nicht zielführend, große Akquisitionen wie die einer Postbank zu stemmen.

Auf den 44-jährigen Blessing, der das Mittelstandsgeschäft zum größten Profitbringer der Commerzbank aufgebaut hat, kommen große strategische Herausforderungen zu. Neben der Bewältigung der Finanzkrise muss er die Bank durch die möglicherweise bald beginnende Fusionswelle führen. Dabei muss er aufpassen, dass die Bank nicht selbst geschluckt wird. Denn nach Meinung von Analysten gilt das Institut im internationalen Vergleich als zu klein und deshalb auf Dauer nicht allein als überlebensfähig.

Das Risiko von bösen Überraschungen im Zusammenhang mit faulen Hypothekendarlehen hält Müller allerdings für gering. "Im April musste die Bank keine nennenswerten neuen Wertkorrekturen vornehmen", sagte er. Insgesamt habe die Bank auf ihr 1,2 Milliarden Euro schwere Subprime-Portfolio bislang 692 Millionen Euro abgeschrieben, hinzu kamen Belastungen in Höhe von 135 Millionen Euro durch die Ausweitung der Krise auf andere Produkte.

Es sehe in der Tat so aus, als sei beim Thema Finanzkrise das Schlimmste überstanden, sagte Müller. "Aber ich würde gerne erst mal drei stabile Monate sehen, bevor ich von einer Trendwende spreche. Der April war diesbezüglich ein guter Auftakt." Es spreche einiges dafür, dass es zu einer Bodenbildung gekommen sei. "Aber das haben wir schon einmal geglaubt", sagte Müller.

mik/Reuters/dpa-AFX/AP