American Airlines Der Absahner-Chef wird rausgedrängt
Fort Worth - Am 15.April hätte eigentlich schon alles vorbei sein müssen. In einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC hatte die Konzernspitze von American Airlines mitgeteilt, dass sechs Spitzenmanager nochmal das Doppelte ihres Grundgehalts als Bonus bekommen, wenn sie bis 2005 im Amt bleiben. Im Falle von Carty wären dies rund 1,6 Millionen Dollar mehr gewesen. Außerdem wurde der SEC mitgeteilt, dass man 41 Millionen Dollar in einen Pensionfonds für 45 Topmanager der Fluggesellschaft eingezahlt hatte.
Dies alles geschah, als die restlichen Mitarbeiter gerade schweren Herzens über ein Kürzungspaket über 1,8 Milliarden Dollar abgestimmt hatten. Für den einzelnen Beschäftigten würde dies einen Verdienstausfall von etwa 25 Prozent bedeuten. Während die Gewerkschaften der Piloten und des Bodenpersonals dem Kürzungspaket zustimmten, entschieden sich die Flugbegleiter mit knapper Mehrheit gegen die drastischen Lohnkürzungen. Nach bisher unbestätigten Informationen haben sich Konzernleitung und Gewerkschaften nun auf eine abgemilderte Variante des Sparpaketes geeinigt. Insgesamt müssten dann rund 99.000 Beschäftigte auf Lohn verzichten.
Carty, der seit mehr als zwanzig Jahren für American Airlines arbeitet, hatte in den vergangenen Tagen noch versucht, mit Entschuldigungen davonzukommen. Nach einer Krisensitzung am Donnerstag reichte er dann aber seinen Rücktritt ein. In einem Statement sagte er, seine Nachfolger sollten eine "Neue Kultur der Zusammenarbeit und des Vertrauens" aufbauen.
Ob es dazu noch kommen wird, ist allerdings fraglich. Aus informierten Kreisen in Chicago verlautete am Donnerstag, der Antrag auf Gläubigerschutz werde möglicherweise bereits am Freitag gestellt. Die Konzernmutter AMR erlitt im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 1,04 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal 2002 hatte das Unternehmen 734 Millionen Dollar Verlust verzeichnet.